grenoble: alain buffard «tout va bien»
Es gibt nicht viele Künstler vom Schlag dieses französischen Choreografen. Bei dem, was er zu sagen hat, denken wir nur: die viele Wut. Wir bewundern ihn sogar: Wie brillant er mit dieser Wut choreografisch umgeht, bis zum Schluss.
Wut heißt für Buffard, den acht Tänzern Bilder der Gewalt, der Zerstörung, des unkontrollierten Fanatismus abzuverlangen. Es sind aber nur Stereotypen entsprechender Bewegungen. Buffard macht den Fake sofort sichtbar. Bewegungen sind nur Zeichen. Oder? Buffard kommt vom abstrakten Tanz, was in Wahrheit nicht die Abwesenheit von Bedeutung meint.
Sie zeigt sich hier nur umso brutaler, je weniger ein Körper etwas zu bedeuten scheint. Was Buffard schon immer dazu gezwungen hat, eine bewundernswert perfekte Genauigkeit in der Beherrschung des Körpers zu verlangen. Dabei lässt er die Tänzer wie eine Band auftreten, in einer Haltung, die scheinbar entspannt den sicheren Ort der Bühne in einen gefährlichen Spielplatz für Wutausbrüche jeder Couleur verwandeln kann.
Wie aus dem Nichts tritt die Wut auf, aus einer Leere, der sie Widerstand entgegensetzt. Diese Bewegung dort sieht zum Beispiel so aus, als würde eine Frau erniedrigt, man denkt: wie frauenfeindlich, ...
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Tanz Januar 2011
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Tiago Bartolomeu Costa
...hatte zuletzt durch das Stück «Lutz Förster» von Jérôme Bel enorm Furore gemacht. Nun hat Bel, nach einem Jahr, seinen Namen zurückgezogen. Bel ließ verlauten, das Stück passe nicht mehr zu seinem «kritischen Anspruch». Es gehört nun Förster allein.
Man darf ja mal stutzen dürfen. Ein Handbuch zur «choreografischen Komposition»? Da werden Übungen vorgestellt, Prinzipien erläutert, die sich mit praktischen «Studien» abwechseln. Der pädagogische Eros vertieft sich etwa in «ABA-Struktur und Canon». Choreografieren ist eben nicht nur learning by doing. Nötig ist vor allem das kritische Denken gegenüber den eigenen...
Disziplin und Ekstase, zu diesem Begriffspaar greift die Einleitung. Der Titel freilich, «Anmut und Disziplin», vermittelt ein gesetzteres Tanzverständnis – obwohl der Bildband gar nicht ballettlastig ist, sondern Tanzmoderne, Varieté und Gesellschaftstanz dominieren. 170 Abbildungen hat Helga Thalhofer zum Tanz in der bildenden Kunst zusammengetragen, verfolgt...
