Gregor Zöllig «Ein Sommernachtstraum»
Das Ballett steht bei Shakespeare Schlange. Tragödie oder Komödie, egal. Shakespeares Kunst ist immer klar-verunklarte Personenkonstellation. Freund und Verräter – ein Paar. Herrscher und Narr – dasselbe. Liebe und Tod – aus dem einen folgt das andere. Shakespeares Irrungen und Wirrungen verlieren im Ballett den Wortwitz, natürlich. Werden flach wie eine Folie. Im Tanz ist Shakespeare darum nur noch vermeintlicher Konflikt. Den kann man auch ganz vermeiden, ihn tröstend mit Minimal Music, neoklassischem Synthesizer und Ballade zudecken.
Wie Gregor Zöllig das jetzt in seinem liebestollen «Sommernachtstraum» getan hat. Man kann vom Traum von freier Liebe bei Shakespeare unmittelbar auf den Traum schließen, dass freie Liebe nur umso festere Bindung sucht. Sein Bild: ein fünfzigster Hochzeitstag. Die Goldene. Bürgerliche Trautsamkeit in einem retro-chicen Wohnzimmer. Das echte Ehepaar Dorothee und Martin Uffmann als Hippolyta und Theseus laden ihre Kinder und Kindeskinder ein. Die kriechen durch Wandschränke; die Familientafel ist eine Wippe; Auftritt von lauter Verwandten und darum Gleichen aus dem Wandschrank – Zettel, Puck, Oberon (den denkbar Ungleichsten bei Shakespeare). Das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Fred Hoffmann, 79, war Mitbegründer und geschäftsführender Vorstand der Münchner Heinz-Bosl-Stiftung. Sein letzter öffentlicher Auftritt am 30. November: die Jubiläumsmatinee zum 30-jährigen Bestehen der Stiftung, die er mit seiner Frau, der ehemaligen Staatsballett-Direktorin und Schulleiterin Konstanze Vernon, 1978 gegründet hatte (Fotos: Charles Tandy). Zum...
Eine Kritikerin vermisste bei ihm einen «roten Faden». «Wieso roter Faden?», wunderte sich Anthony Rizzi, «es gibt nur diesen einen roten Faden: von der Geburt» – er rammt eine Hand vor sich in die Luft – «bis zum Tod.» Die andere Hand markiert den Schlusspunkt nicht weit davon entfernt. Die Hand zieht noch mal über die Strecke, formt einen Raum. In dieser kleinen...
Agnès Letestus Berufswahl fiel, als sie als kleines Mädchen Margot Fonteyn und Rudolf Nureyev in «Schwanensee» sah. Im Fernsehen. Sie wollte «auch so ein Tutu». Dann ging es schnell mit der Karriere: Nureyev selbst holte sie aus dem Corps de ballet, um Gamzatti in seiner «Bayadère» zu tanzen. Seit 1997 ist sie am Pariser Opernballett Danseuse Étoile. Ein...
