gisele vienne
Man muss lesen, was man zu sehen nicht erträgt. Dazu fordert der Schauspieler auf und lässt die Handpuppen sinken. Also Blättern im Programmheft: «Auf der Leinwand ist zu sehen, wie Wayne mit einer Zange die Finger des Jungen abschneidet. Dean steckt die Faust in den Arsch des Jungen, und mit der anderen Hand würgt er ihn. Er lutscht am schlaffen Schwanz des Jungen, als ob sie sich lieben würden. Der Junge schreit, jedenfalls ist sein Mund weit offen.» Der Serientäter Dean Corll folterte in den Siebzigern mehr als 20 Jungen zu Tode. Zwei ihm völlig ergebene Teenager assistierten.
Einer von ihnen, David Brooks, lernte im Gefängnis das Handpuppenspiel und versuchte, seine Taten zu verarbeiten, indem er das, was geschehen war, Psychologiestudenten vorspielte. Der Schauspieler Jonathan Capdevielle spielt diesen Brooks. Die Choreografie des Grauens kriecht ins Ohr. Exaltierte Stimmen, Schmerzgeräusche, grausiges Gurgeln rumoren zwischen Magen, Lunge, Schlund und Mundschleimhäuten des Performers, während er mit den Puppen nachstellt, was passierte, bis er verstummt. Speichelfäden tropfen aus seinem Mund. Wir werden zu stummen Zeugen des Gewaltexzesses.
Basierend auf dem wahren Fall des ...
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Tanz März 2011
Rubrik: menschen, Seite 22
von Katja Schneider
Kontinuität
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