Gintersdorfer / Klassen
Fast wäre Monika Gintersdorfer eine ganz normale Regisseurin am Stadttheater geworden. Lauter deutsche Erstaufführungen, routinierte Textbehandlung, eloquente Übersetzungen junger Autoren. So ging es von der Studiobühne zu den Salzburger Festspielen. Dort hat man ihr auf die Finger gehauen. Zum Glück. In einer Aktion namens «Ausziehen» zerschmetterte sie darauf in Hamburg eine Wohnung, lernte einen Bildenden Künstler, Kurt Klaßen, kennen, verliebte sich an die Elfenbeinküste, lernte die dortigen Tänzer schätzen. Seitdem ist nichts mehr normal.
Seitdem ist sie Übersetzerin, von Theater in Tanz, von Afrika in Europa, von Wahrheit in Wirklichkeit. Übersetzerin zu sein, heißt nicht, eine afrikanische Kultur zu erklären, die mit dem Körper spricht, die mit dem Tanz redet, uns also fremd sein soll. Sie macht Schluss damit, die Stärke des (afrikanischen) Tänzers als seine Schwäche, Chaotik und Unverständlichkeit kleinzumachen. Es gibt, in ihrer Serie «Logobi», eine angstlose Konfrontation des ivorischen Tänzers Gotta Dépri mit je einem deutschen Übersetzer: mal Gudrun Lange, mal Hauke Heumann, mal Laurent Chétouane, mal Cornelia Dörr, mal Jochen Roller. Übersetzen heißt: sich einem ...
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Eines Tages, so geht die Legende, erwachte der volkstümliche Mensch des Mittelalters aus seiner Bevormundung durch Gott und die Kirchenväter, indem er sich, angeleitet durch kluge Mönche, das Lesen und Schreiben beibrachte. Was dieser Mensch an unzähligen Feiertagen bei der Lektüre entdeckte, während Kriegswirren rundherum und die Entleerung der Landschaft durch...
Der Spitzenschuh ist ein Synonym für das klassische Ballett. Ohne dieses äußerlich zierlich anmutende, in schimmerndem rosa Satin lieblich die eigene Kraft und Komplexität verleugnende Hochleistungswerkzeug wäre nämlich der Spitzentanz unmöglich, mithin die Technik, deren Optik für die Einordnung des Tanzes in die Rubrik «Ballett» entscheidend ist. Ballett erkennt...
Noch ist sie Gruppentänzerin im Hamburg Ballett. Im verflixten siebten Jahr startete die bühnenpräsente 27-jährige Brasilianerin durch. Sie profilierte sich in mehreren Solopartien, weckte bereits in der ersten Spielzeit-Premiere als Mädchen in John Neumeiers Choreografie von Maurice Ravels «Daphnis und Chloë» Aufmerksamkeit und Neugier. Mariana Zanotto gab der...
