geschichte: apollo’s angels

Tanz - Logo

Kaum ein Ballettbuch wird im angloamerikanischen Sprachraum so diskutiert wie Jennifer Homans’ «Apollo’s Angels». Was von der ehemaligen Tänzerin und Kritikerin des «New Republic» natürlich beabsichtigt war – und sogleich ihrer provokanten, nach ­reichlich 500 überlegen ­recherchier­ten und formulierten Seiten als Knaller gebotenen Schlussthese widerspricht: «Ballet is dead.» Ballett als ephemerste, weil am ehesten mit einer längst nicht mehr existierenden ­Hofkunst verknüpfte Kunst, ist oftmals gestorben und wiedergeboren worden, das erzählt Homans.

Das ist der brillante Teil ihres Buchs. Ihre Tanztour ­d’horizon von den gern grotesken ­Tanzeinlagen im Renaissance-Italien über das Erblühen du­rch Absonderung am französischen Hof Ludwigs ­XIV. bis zu den Ballets Russes als ­Ini­tialzündung für den Tanz im 20. Jahrhundert verbindet in einprägsamen ­Kapiteln Kunst und Gesellschaft. Ihr Interesse gilt den Personen, die Tanzgeschichte geschrieben haben und die das Ballett zu einer relevanten, auch politisch ernst genommenen Kunst ­gemacht haben.

So unterhaltsam wie lehrreich ­sind ihre Ausführungen über den Männertanz des Barock, über den Kampf gegen die Anatomie, über die Französische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2011
Rubrik: medien, Seite 61
von Manuel Brug

Weitere Beiträge
alexander pinto...

Alexander Pinto, eines Ihrer Themen als gelernter Soziologe lautet «Verortung». Was verstehen Sie darunter?
Die hohe Mobilität unserer Gesellschaft verändert die Lokalisierungsstrategien der Menschen. Ein Mensch, das gilt nicht mehr. Mich interessiert das Phänomen der Multilokalität, also das Arbeiten und Leben an mehreren Orten. Für viele, vor allem freie Tanz-...

zürich: jerome robbins «in the night», heinz spoerli «lied von der erde»

Die unbeschwerte Jugend von damals  ist in die Metropole gezogen und tanzt paarweise im ballroom des Ritz: Auf den ersten Blick elegant und weltläufig, bekommt Jerome Robbins‘ «In the Night» aber eine melancholische Note, wenn man das kurze Ballett wie ein Nachwort zu seinen «Dances at a Gathering» betrachtet. Sie tanzen  zu Musik von Frédéric Chopin, aber zum...

vermessene tänzer

Fotografiert, statistisch erfasst und ­geografisch lokalisiert, wird der Tänzer bald aufhören, uns ein Rätsel zu sein – gespeichert, gefilmt und ausgestellt in Datenbanken, auf Fotowänden und Landkarten. Auf Letztere ließ Olivier Dubois mehr als 20 jüngere oder ältere Exemplare der Spezies farbige Punkte kleben, um zu erfassen, wo überall Tänzer von Gaëlle Bourges...