Gerald Siegmund
Gerald Siegmund, frischgebackener Tanzprofessor in Bern und Korrespondent dieser Zeitschrift, hat seine Habilitationsschrift Abwesenheit – Eine performative Ästhetik des Tanzes veröffentlicht. Die üblichen 500 Seiten sind kein Pappenstiel. Aber keine Angst. Der Kritiker Gerald Siegmund hat dem Akademiker über die Schulter geschaut. Minuziös beschreibt er die von William Forsythe über Jérôme Bel bis Xavier Le Roy und Meg Stuart reichende Kunst. Keins der Stücke muss man gesehen haben.
Bis ins kleinste Detail führt er sie vor Augen, damit wir dem Autor zuschauen, wie er grandios vom Lapidaren des Beschreibens ins scharfe Denken kippt. Dabei gilt: Je unspektakulärer ein Tanz – etwa von Philipp Gehmacher (Foto Archiv) – ist, desto brillanter gelingt es ihm, das im Tanz Abwesende auf dem Tablett des Denkens zu präsentieren. Denn das ist sein Thema: Gegen das Tanzspektakel der fröhlichen Präsenz setzt er den tanzenden Körper, der seit Mary Wigman gerade das Abwesende, Innere meint. Nicht die Präsenz des Körpers sei das Tolle, sondern das, was nicht gezeigt wird, was der Körper ausspart und eine Leerstelle erzeugt – eine mögliche Erklärung, warum viele Tanz nicht verstehen. Dagegen hilft ...
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hat felsenfeste Positionen zementiert: dass Frauen gleich viel verdienen, gleich hart arbeiten, gleiche Chancen besitzen und bei der Erziehung der Kinder nur noch gleichen Anteil nehmen müssen wie die Männer. Wie auch immer die Gleichheit in Wirklichkeit aussieht – diese Gleichheit kommt als so verbindlich daher, dass es völlig egal ist, ob Gleichheit wirklich...
Daniel Schnyder gibt den Ton an. Er wippt auf dem Stuhl, animiert zwischendurch das Carmina Quartett und spielt gleichzeitig auf seinem Sopransaxophon seine «Aria Vivaldi» so engagiert, als wollte er das Publikum mitreißen. Doch das sitzt im Nikolaisaal der Stadt Potsdam bequem in seinen Sesseln, und deshalb ist es dem Leiter der Stuttgarter Crossover Academy...
Olga Roriz stieß in ihrem Stück «F.I.M.» (für: «Fragmente, Einschreibungen, Erinnerungen») auf lauter grundsätzliche Frage wie: «Was ist Raum?». Dazu knöpfte ein Tänzer Hemd und Hose auf und begoss sich mit Theaterblut. Raum sei, worin die menschliche Existenz gesperrt ist. «Was ist Zeit?» Die im Stuhl sich windende Tänzerin antwortete, dass sie «tired for...
