genua on tour
Die Bühne ist dunkel. Kaum kann man erkennen, dass sich hier ein Frauenkörper in schwarzer Hose und offenem blauem Hemd bewegt. Langsam schreitet die Gestalt auf eine schwarze Wand zu. Und flüstert: «Hier, hier ist es gut ... bleib standfest ... jetzt lass dich fallen, lass dich einfach fallen!» Lautlos sinkt ihr Körper zu Boden, und endlich dreht sich der schwarz gelockte Kopf, sodass Cristiana Morgantis Gesicht erkennbar wird.
Wir kennen die Tänzerin als ehemaliges Mitglied von Pina Bauschs Tanztheater Wuppertal – als eine, die immer noch unterwegs ist: mit einem Repertoire weltberühmter und gefeierter Meisterwerke. Denn physisch ist Morganti so ausdrucksstark und eigenwillig wie alle ihre ehemaligen Wuppertaler Kollegen, ihr Auftritt lässt die mit Bausch getane jahrelange Arbeit an Bühnenpräsenz erkennen.
«Jessica and me» ist so etwas wie ein Tagebuch ihres eigenen Lebens als Körper-Maschine. Morganti durchblättert es tanzend auf fast leerer und zumeist dunkler Bühne: zieht Diagonalen, zeigt Floorwork und lässt aus Momenten der totalen Erstarrung ein Potpourri aus Anekdoten und Bekenntnissen über ihr langjähriges Dasein im Bausch-Universum hervorschießen. Doch dabei bleibt es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Sergio Lo Gatto
Als Tel Aviv, 1919, noch ein Dorf mit knapp 200 Häusern war, gehörte er zu den Pionieren eines noch zu gründenden jüdischen Staates. Der muskulöse Bauarbeiter aus der Ukraine, 15 Jahre alt, lebte in einem Zelt am Strand und besaß nur, was er auf der Haut trug die er als Untergrundkämpfer der Haganah mit Jiu-Jitsu-Tricks zu verteidigen suchte. Überlebensreaktionen...
Guy Debord war französischer Chefdenker und Gründer der kapitalismuskritischen Situationistischen Internationale. 1978 schuf er seinen letzten Film, dessen Titel sowohl vorwärts wie rückwärts gelesen «in girum imus nocte et consumimur igni» hieß. Zu Deutsch: «Wir irren des Nachts im Kreis umher und werden vom Feuer verzehrt». Nun prangt dieser altrömische...
im november: jeroen verbruggen
Er war mehr als nur ein Joker in vielen Balletten von Jean-Christophe Maillot. Im heimischen Antwerpen ausgebildet, tanzte sich Jeroen Verbruggen nicht zuletzt als einer der besten Interpreten Marco Goeckes in die vorderste Reihe der Ballets de Monte Carlo. Inzwischen ist er, gerade mal 32 Jahre alt, von der Bühne abgetreten, um darauf...
