Gender Trouble
Wer über körperliche Grenzgänge im Tanz nachdenkt, der wird ermitteln müssen, was Grenze in diesem Zusammenhang bedeutet. Er wird Aktionen, Inszenierungen oder Wahrnehmungsmomente suchen, in denen der Körper Abgrenzungen überwindet, von einer Seite der Grenze auf die andere wechselt oder zwischen Wechsel und Nicht-Wechsel changiert. Das bedeutet auch, nach den Kategorien von körperlichen Grenzen zu fragen und nach der Geschichte dieser Grenzen – und schließlich nach einem möglichen gesellschaftlichen Interesse an eben diesen Grenzen.
Zunächst lassen die Worte «körperliche Grenzgänge» vermutlich an das Austesten physischer Möglichkeiten denken und an Tanztechniken und -ästhetiken wie z. B. den in den 1980er- und 1990er-Jahren prominenten «Eurocrash». Das ist der Oberbegriff für einen Choreografiestil, der vor allem durch das Tempo und die Wucht, mit der die Körper der Tanzenden in und gegen den Raum und seine Abgrenzungen geworfen wurden, bestach. Louise Lecavalier, Muse des kanadischen Choreografen Édouard Lock, verkörperte wie keine Zweite die Lust am Risiko, wenn sie ihren Körper in horizontalen Spiralsprüngen in die Arme ihres Partners warf. Und Wim Vandekeybus ließ die Körper ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Körper: Im Wandel, Seite 62
von Janine Schulze-Fellmann
hat ein hintergründiges, wissendes Lachen. Eben noch probte der 29-Jährige in Alexander Ekmans Choreografie «Cacti» mit Rebecca Horner an der Wiener Staatsoper, davor frischte er den Blockbuster «Don Quixote» auf. Seit 2007 ist er am Staatsballett Wien engagiert und tanzt viel Repertoire, aber auch Natalia Horecnas Kreation «Contra Clockwise Witness». «Ich bin...
Dem Tanz haftet – vielleicht wie keiner anderen Kunstform – der Nimbus einer universellen Sprache an. Grenzüberschreitend soll er die Menschheit verbinden und – so die Mission des Welttanztages der UNESCO – zum Weltfrieden führen. Der 29. April dient alljährlich dazu, «alle Formen des Tanzes an diesem Tag zu vereinen, den Tanz zu feiern, seine Globalität...
Eine dem Autor beruflich lange verbundene Grafikerin seufzte einmal: «Warum eigentlich dürfen bei Publikationen zum zeitgenössischen Tanz nie Tanzfotos verwendet werden?» Ihre Kümmernis bezog sich auf den damaligen Trend, alle möglichen Bewegungsphänomene zu zeigen, nicht aber choreografische Szenen auf der Bühne. Die Abneigung gegen Tanz-Illustrationen mag sich...
