Früher...
tanzten wir Tänze von früher. Heute auch. Stirbt eine Choreografin wie Pina Bausch, ein Meister wie Merce Cunningham, ist der Erhalt des «immateriellen» Erbes erste Tänzerpflicht und wird zur Daseinsberechtigung von Kompaniemitgliedern und Ballettmeistern. Schulen sollen erhalten, Gastspiele fortgesetzt werden. Das Vergangene, das weitergereicht werden soll, wird von den Körpern einstiger Tänzer in heutige umgetopft – ein ganz natürlicher Vorgang. Stiftungen übernehmen das Recht auf die reine Lehre.
Nach dem Tod von Pina Bausch bewahren eine Doppelspitze des Tanztheaters Wuppertal, ein Ensemble, unzählige Videos und Zeitzeugen ihr Werk vor dem Tod. «Musealisierung» nennen das die einen, «lebende Archive» die anderen. Ab Seite 52 können wir in einem Streitgespräch dokumentieren, dass alte Erfolge nur nachzutanzen Jüngere nicht interessiert, während es Älteren um das Kulturerbe selbst geht. Sie kämpfen gegen das Verschwinden ihrer Arbeit, wohingegen der Nachwuchs Platz für Neues will.
Der Weisheit großer Schluss heißt möglicherweise Re-Enactment – die neue, produktive Nutzung des Alten, sei es bei Pina Bauschs «Kontakthof» durch Teenager oder Senioren, sei es durch Anne Collod oder ...
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2004 stellte Hal Foster in der Zeitschrift «October» einen «archivarischen Impuls» fest, eine Lust an der Retrospektive, die überall zu sehen war: in der Video- und Medienkunst, der Fotografie, der Installation, der Performancekunst und im Tanz. Es begann der Aufstieg einer Bewegung namens «Re-Enactment». Darunter verstand man bis dahin vor allem volkstümliche...
Kunst erfindet das Leben, nicht umgekehrt. So feiert das Wiener brut seit Anbeginn seine burlesquen Klubs, heuer mit François Chaignaud und Cecilia Bengolea als Sternenpaar Castor und Pollux, Tingeltangel, Cross Dressing samt Dragqueens im Sattel («Save a Horse Ride a Cowboy») von An Kaler, gepaart mit den weißen Pferden der Romantik und einer Feier der Empathie...
