fremdheit: interaktion und rhythmus

Tanz - Logo

Die Damen des Balletts neigen sich auf dem Cover grazil unterm Palmwedel und sehen in diesem alten Libretto gar nicht exotisch aus. Im Gegenteil: Der geneigte Oberkörper, die abgewinkelten Handgelenke, das lange Tutu weisen sie als typische Vertreterinnen des Romantischen aus, stünde da nicht der Name Esmeralda, der dem Ganzen den Klang des Fremden gibt.

Den Spuren der Alte­rität (Tänze und Tanzende aus fremden Ländern) im Vertrauten (dem klassischen Tanz) nachzugehen, das haben sich Claudia Jeschke, Gabi Vettermann und Nicole Haitzinger schon seit Jahren auf die Fahnen geschrieben und immer wieder ihre Ergebnisse aus dem DFG-Projekt «Kulturelle Inszenierungen von Fremdheit im 19. Jahrhundert» veröffentlicht. Nun liegt ein über 500 Seiten starker Wälzer vor, in dem rund 100 Tanztheorien und 100 Tanzlibretti auf das Phänomen des Fremden befragt werden. Dabei werden mit «Paul et Virginie», «Le diable boîteux», «La Péri» und «La Esmeralda» vier wichtige exotische Ballette einer detailreichen Analyse unterzogen.

Ballordnungen und Körperkonzepte, Medizintheorie und Kolonialisierung, Libretti und Kritik – der Blick ist weit, die Perspektive auf den Gegenstand, der sich ja dadurch erst ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2010
Rubrik: medien, Seite 57
von Katja Schneider

Vergriffen
Weitere Beiträge
newcomer: johanna chemnitz

Ein nackter Raum im Ballhaus Ost in Berlin. Vier Scheinwerfer bedrängen die Tänzerin wie in einem Käfig. Ihre im Stakkato blinzelnden Augenlider feuern zurück. Die Füße stehen ruhig auf den Dachbodendielen. Von den Lidern wandern rhythmische Schläge durch ihren starken Körper. Zu schnellen Lounge-Beats von Peter Rehberg beißt ihr Blick. Sie ist das eingesperrte...

lausanne: philippe saire...

...beendet im November in Lausanne seine Trilogie, die 2006 mit «Est-ce que je peux attirer votre attention sur la brièveté de la vie?» begann. Ihr Mittelstück fand sie 2008 mit der Aufforderung «Il faut que je m’absente». Beendet wird sie jetzt mit «Je veux bien vous croire» und nicht etwa, wie wir in tanz 4/10 schrieben, mit «Lonesome Cowboy». Wir dachten dies...

paris: mourad merzouki «boxe boxe»

«Der Boxer tanzt, er weiß es nur nicht», glaubt Mourad Merzouki. Er schwang früher selbst die unförmigen Handschuhe, als er in der Banlieue von ­Lyon so ziemlich alles ausprobierte, was man mit einem jugendlichen Körper anstellen kann. Bis er über den Zirkus beim Hip-Hop landete. Heute trägt er Halbglatze und leitet das Centre Chorégraphique National in Créteil....