Freiburg: Antonia Baehr «Exit»
Antonia Baehr ist ein Schelm. In ihrer neuen Arbeit, die am Frankfurter Mousonturm Premiere feierte, gibt die Berliner Choreografin vor, eine Lecture Performance über Notausgangslichter, Theaterbrände und Panik zu halten. Aber nur, um die große Kunst des Lächerlichen zu entfalten, die auch ohne Feuer Panik verbreiten kann. In breitem Globish heißt Baehr ihr Publikum willkommen, um mit ihm, wie sie sagt, «the unconscious of the theatre» zu behandeln. Sie deutet auf die mit dem Wort «Exit» markierten Notfallleuchten, die ihrem Solo das einzige Licht spenden.
So dauert es ein paar Minuten, bis sich die Augen ans Dunkel gewöhnen und auf der Bühne, hinter einem Pult, den nackten Körper von Baehr verorten. Baehr spricht Texte, die sie, ähnlich wie in früheren Arbeiten, etwa «Abecedarium Bestiarium» (tanz 8/13), von Freundinnen und Freunden erhalten hat. Sie referiert, dass die bekannten grünen Exit Lights mit dem weißen Männchen, das zur Tür hinaussprintet, in den 1970er-Jahren vom japanischen Designer Yukio Ota entworfen wurden, hundert Jahre nachdem in den 1880er-Jahren mehr als zweihundert Theater wegen mangelnder Sicherheit in Flammen aufgingen – notorische Berühmtheit erlangte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2018
Rubrik: Kritik 5/18, Seite 42
von Georg Döcker
«Hier war nichts mehr zu reparieren», sagten Wolfgang Rothe, geschäftsführender Intendant der Dresdner Semperoper, und Ballettdirektor Aaron S. Watkin in einem Hintergrundgespräch am 27. März. Man sah keine andere Möglichkeit, als dem Ersten Solisten István Simon die fristlose Kündigung infolge unüberwindlicher Differenzen mit dem Ersten Ballettmeister Gamal Gouda...
Eine Herausforderung in jeder Hinsicht: für einen Absolventen der Staatlichen Ballettschule Berlin, sich gleich mit zwei herausragenden Protagonistinnen des deutschen Ausdruckstanzes zu beschäftigen; für einen Mann, zumindest in einem der beiden Stücke in die Haut einer Frau zu schlüpfen; für den Repräsentanten einer Institution, die einst aus der Fachschule für...
Akt I. Lasst uns die Welt für einen Moment wie unsere Vorväter betrachten: in Schwarz-weiß. Die Türkei™ ist ein Geschäft. Es geht um Gewinn oder Verlust, alles oder nichts. Der Vorstandsvorsitzende heißt Recep Tayyip Erdoğan. Er glaubt, alle Abtrünnigen in seinem Konzern, etwa die Kurden und die Gülems, haben es auf sein Betriebsvermögen abgesehen. Aber auch die...
