Format und Event

Ein Kommentar von Arnd Wesemann

Tanz - Logo

Bei arte wird ernstlich die Abschaffung des Tanzfilms diskutiert. Der Sendeplatz am Sonntagabend steht nicht nur zur Disposition, er könnte sogar ersatzlos fallen. Tanz würde aber noch vorkommen: als Jubelportrait eines «genialen Choreografen» im Rahmen des Fernsehformats «Dokumentation». Und als Bühnenabfilmung, die den dreidimensionalen Ballettabend auf die zwei Dimensionen der Mattscheibe verkleinert, was den Tanz ebenfalls «dokumentiert», wenn er denn spektakulär genug ist, also ein «Event» darstellt. Und wenn er ins «Format» passt ...
Event und Format.

Das sind die beiden einzigen Worte, die man beim Fernsehen lernen muss. Ein Fernsehredakteur sollte sogar tunlichst vermeiden, mehr als diese beiden Worte zu beherrschen. Ein Format bezeichnet Länge = Machart einer Sendung. Das ist eine stehende Formel. Krimis dauern 90 Minuten. Darum gibt es keinen Kurzkrimi. Höchstens im Format Krimiserie. Und darum gibt es nur Ballett. Ein Kurzballett gäbe es also nur in einer Serie für Tanzfilme. Aber 26 Minuten Tanzfilm bei arte sind keine Serie. Sondern good will. Weil es einen «öffentlich-rechtlichen Kulturauftrag» gibt. Dieses Wort zu gebrauchen, ist allerdings nur Intendanten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2005
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 31
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Wald der Historien

Als der deutsche Filmpionier Max Skladanowsky 1895, im Geburtsjahr des Kinos, gemeinsam mit seinem Bruder ein erstes Programm kurzer Filmszenen zusammenstellt und im Berliner Varieté Wintergarten vorführt, entscheidet er sich neben artistischen und zirzensischen Darstellungen auch für einige Tanzfilme. Man sieht das Kinderpaar einer Artistenfamilie bei einem...

Tanzfilm Highlights

Clownsköpfe sitzen zu sechst in der Kiste auf einem Pier an der Küste von Südengland. Sie bewegen sich in einem so apart choreografierten Mechanismus, dass man ihnen für Stunden zuschauen könnte. Aber ein Rebell – und nichts anderes ist der Clown – entledigt sich der Clownsmaske, fragt nach dem Sinn, Gott und Leben und findet: «I’m wasting my time here». Tanz ist...

The Maker’s Voice II

After Anthony Atanasio dazzled the dance screen world with his haunting black and white short “Dust” written and performed by Brighton based Mim King in 1999, he seemed to vanish. Yet he was only invisible to an increasingly global dance and media (MAD) network. Anthony Atanasio was thriving as a savvy director in the commercial world, creating thrilling, amusing...