fleisch gottes
Christoph Schlingensief filmte in seinem letzten Blog einen nackten Krebs-Bestrahlungsraum und schnaufte ins Mikrofon, es handle sich um das Innere der Kaaba. So sehe die Zukunft der Weltreligionen aus. Alle hätten sich verzogen, und demnächst werde im Vatikan aufgeräumt. Glaubte er.
Die Sehnsucht, in einer höheren religiösen Ordnung aufzugehen und alles, was einen täglich umgibt und belastet, zu transzendieren, wird auch bei denen, die dem Tod nicht ins Auge sehen, längst immer größer. Der Anschluss an eine Religion geschieht nicht mehr schamhaft.
Sie wird immer öffentlicher herausposaunt. Das Projekt «Moderne» – die Verwirklichung jedes Einzelnen aus sich selbst heraus – wird dafür heruntergefahren zugunsten einer Formierung in der Gruppe. Es herrscht Ungenügen an den Sinngebungssystemen der bürgerlichen Gesellschaft. Selbstverwirklichung scheint nicht mehr genug. Der Einzelne möchte sich in seinem Schicksal gleich mit der ganzen Universalität verbunden wissen. Oder auch nur sentimental, klein und regressiv sein dürfen, um Trost zu finden. Im Gottesdienst etwa. Hier verwandle ich mich, ähnlich, wie ich mich auf einer Bühne verwandle. Ich lasse meinen Körper, meinen Beruf, meine ...
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Es ist kein Tanzfilm, es ist der unaufhaltsame Fall der Greta M. Die arbeitslose Architektin in der Berliner Townhouse-Hölle aus wohl versorgten Hinzuverdienerinnen mit alarmgesicher-
ten Kinderwagenabstellplätzen wird nie wieder ihren Beruf ergreifen. Man braucht sie so wenig wie eine gelernte Ökonomin des Marxismus, die als Striptease-Tänzerin in Wien überlebt....
Als er das Nederlands Dans Theater verließ, munkelte man nur. Jetzt weiß man’s: Jiří Kylián ist Professor geworden und leitet ein vierjähriges Forschungsprojekt bei Codarts, der Rotterdamer Universität der Künste. Wissenschaftlich begleitet von Friederike Lampert und Désirée Staverman, will der Choreograf mit Künstlern aus verschiedenen Disziplinen tanzrelevante...
Ab 1913 verlagerte Rudolf von Laban seine Suche nach einer neuen, «natürlichen» Form von Bewegung in die Schweiz, auf den Monte Verità in Ascona und nach Zürich, wo er eine eigene Schule gründete. Nach dem Ersten Weltkrieg, nach Labans Rückkehr nach Deutschland, nannte man die Bewegung Ausdruckstanz. Trotz Labans Schweizer Jahre, trotz Émile Jaques-Dalcrozes...
