Ein Schwert für den Choreografen: Jiří Kylián
Aufs Choreografieren versteht er sich. Auf den Mund gefallen ist er auch nicht. Aber wie Jiří Kylián zum Schwert greift, muss sich erst noch weisen. Am 13. März wurde der langjährige Leiter des Nederlands Dans Theater in einer feierlichen Zeremonie als Membre associé étranger der Académie des Beaux-Arts installiert, und bei seiner Inauguration unter der Coupole des Institut de France stand nicht nur die Ehrenwache mit gezücktem Säbel Spalier. Auch dem Geehrten oblag nunmehr in Paris die Pflicht, die Künste zu verteidigen – «wenn nötig mit einem Schwert in der Hand».
So bestimmt es seit 1687 jedenfalls das Reglement der Académie, das ebenso besagt, dass sich nur ihre Mitglieder in den «Habit vert» kleiden dürfen: einen grünen Frack, aufs Kostbarste verziert.
Jiří Kylián hat ihn sich schneidern lassen, und auch das Schwert ist geschmiedet – ganz nach den Vorstellungen des Choreografen und so, wie es die Académie gebietet: mit einem erkennbaren Bezug zur Berufung. Den sieht Kylián in einem Heft, das einer kleinen Statuette nachgebildet ist. Im ägyptischen Ma’mariya aufgefunden, gilt die Grabbeigabe als eine der ältesten Tanzdarstellungen überhaupt – mit einem Kopf, der einem Schnabel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2019
Rubrik: Side Step, Seite 21
von Hartmut Regitz
Während sich Halles verdienstvoller Ballettchef Ralf Rossa gerade in den Ruhestand verabschiedet hat, tun sich an anderer Stelle ganz neue Perspektiven auf: Die vierte Sparte der städtischen Bühnen, das Puppentheater, zeigt eine «Coco Chanel», die in Zusammenarbeit mit der norwegischen Kompanie des Choreografen Jo Strømgren entstanden ist. Die Dritte im Bund ist...
Die dunklen Röcke reichen bis übers Knie, die Hemden bedecken Schlüsselbein und Ellbogen, die Haare sind unter einer Perücke versteckt. Die beiden Tänzerinnen Hella Immler und Tzipi Nir fügen sich in die Konvention. Sie sind von Kostümbilderin Marie Siekmann gekleidet wie orthodoxe jüdische Frauen, deren Bräuche ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Sie – und später...
Eins versagt hier sofort: der Orientierungssinn. Es ist, als blicke das Publikum in eine Dunkelkammer, in der ein seltsamer Film entwickelt wird – aber jemand macht versehentlich das Licht an. Frauen bewegen sich da wie groteske Avatare durch Zeiten und Zusammenhänge. Wunderbar der Anfang, wenn Ligia Lewis mit dem Grimm’schen Züchtigungsmärchen «Das eigensinnige...
