Ein müder Held
Carsten Jung entschuldigt sich: Er müsse sein Handy während des Gesprächs anlassen, es könne sein, dass die Arbeitsagentur anrufe. Der Tänzer hat sich arbeitssuchend gemeldet, weswegen er ständig erreichbar sein muss. Prosaischer kann ein Interview nicht beginnen, symbolträchtiger allerdings auch nicht: Jung ist nicht irgendwer, sondern Erster Solist an John Neumeiers Hamburg Ballett.
Und auch wenn man den Begriff «Star» im Kunstkontext nur unter Vorbehalt benutzen sollte, so war Jung doch eindeutig ein solcher – ein Tänzerdarsteller, der große Rollen wie Stanley Kowalski in «Endstation Sehnsucht» und Titelhelden in «Liliom» oder «Peer Gynt» zu verkörpern wusste.
Offen für alles
Und dieser Star muss sich jetzt mit den Nickeligkeiten der deutschen Arbeitsmarktbürokratie herumschlagen: Mit der Saison 2018/19 hat Jung seine aktive Tanzkarriere beendet. 44-jährig. Ohne Anschlussverwendung, wie es im Amtsdeutsch heißt, ohne doppelten Boden. «Im Moment bin ich offen für alles», lacht er. «Nach so langer Zeit des professionellen Engagements ist man ja eigentlich prädestiniert, im Geschäft weiterzumachen. Aber: Es gibt zurzeit keine Planstellen an der Schule des Hamburg Ballett oder in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2019
Rubrik: Menschen, Seite 27
von Falk Schreiber
Wir treffen uns vor der Botschaft der Republik Indonesien in Berlin. Die Choreografin Kareth Schaffer kommt gerade vom Training: Balinesischer Tanz für Fortgeschrittene. Unterricht nimmt sie bei Ketut Tutiek Rahayu, der Presse- und Kulturreferentin der Botschaft. Die Dame gibt hier Tanzunterricht für die Söhne und Töchter ihres Landes, die es nach Berlin...
CD des Monats: Magna Sequentia
Eine «große Tanzsuite» sucht man im Bach-Werke-Verzeichnis vergeblich. Es gibt gleich sechs Partiten, jede Menge Suiten. Aber eine «Magna Sequentia», deren ersten Teil uns Sonia Rubinsky hier vorstellt, hat Johann Sebastian Bach nie komponiert, und doch handelt es sich dabei um keinen Etikettenschwindel. Die brasilianische Pianistin...
Hellerau: Appia Stage Reloaded
Das Festspielhaus Hellerau öffnet nicht nur am Tag des offenen Denkmals seine Pforten. Am 8. September kann man dort auch auf der (2017 unter dem Ex-Leiter Dieter Jaenicke) rekonstruierten Bühne Adolphe Appias eine «Blaue Stunde» erleben, bevor Cindy Hammer, Joseph Hernandez, Johanna Roggan und Anna Till mit «tension, break, pattern,...
