dore hoyer erinnern
Meine Tochter war fünf Wochen alt und ihr Nacken blockiert, weshalb sie mehr über die linke Schulter schaute als über die rechte. Meine Frau und ich gingen mit ihr zum Osteopathen. Die Praxis für Neurologie und Chiropraktik war ein Familienbetrieb: Der Vater war Osteopath. Der Sohn lernte es damals noch. Er suchte den richtigen Handgriff, aber es klappte noch nicht richtig. Also holte er seinen Vater. Unsere Tochter schien jetzt gerader, und der Sohn sagte etwas entschuldigend: «Ich lerne halt noch. Während ich drücke und drücke, kommt mein Vater mit einem Handgriff aus.
Schönen Tag noch.» Und verschwand zum nächsten Patienten.
Was sich hier ereignete, berührt auch eine der Grundlagen im Tanz: Wissen und die dazugehörigen Handgriffe, eine Praxis oder auch Technik, werden von einer Generation auf die nächste übertragen. Die Geschichte der Osteopathie und das gesamte Wissen einer Heilmethode wurden in diesem einen Augenblick kontraktiert, um vom Vater zum Sohn überzuspringen und um durch die Berührung zwischen den Medizinern und unserer Tochter heilend zu wirken. Ein solcher Moment braucht Übung und Studium. Handgriffe und Bewegungsabläufe müssen immer wieder von Neuem ausgeführt, ...
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Tanz Dezember 2011
Rubrik: traditionen, Seite 56
von Martin Nachbar
auf disc: die kleine meerjungfrau
von John Neumeier kommt rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft in den Handel. Ohnehin sind kaum DVDs von Neumeier-Balletten auf dem Markt. «Illusionen – wie Schwanensee» ist vergriffen, «Matthäus-Passion» und «Die Kameliendame» sind erhältlich. Von ihr gibt es noch die Verfilmung mit Márcia Haydée und einen Mitschnitt der Pariser Opéra...
Im Wörterbuch folgt «miraculous» (wunderbar) auf «mirage» (Trugbild, Luftspiegelung). Beide Begriffe stehen abwechselnd für den Tanztheatertitel von Guy Weizman und Roni Haver. «Miraculous Wednesday» für 14 Tänzer aus zwei Ländern wird in den Niederlanden touren. Ein komischer Mittwoch: Hätte auch ein anderer Tag sein können. Es sei einfach einer dieser wundersam...
Das Wörtchen «Schwan» kommt immer gut im Titel eines Tanzstücks. Sofort geht mentaler «Ballettalarm» los. Auch der Bielefelder Tanztheaterchef Gregor Zöllig bezieht sich in seinem «Schwanengesang» auf die diversen Vogeltode in der Ballettgeschichte. Doch holt er die romantischen Motive radikal ins Hier und Jetzt, denn: Sind wir nicht alle ein bisschen Schwan?
Die...
