Die Farbe rosa
Sie haben eine fünfjährige Tochter mit Ballettambitionen, die mit rosa Prinzesschen aber nichts am Hut hat? Gratulieren Sie dem Kind zu seinem guten Geschmack – und ansonsten: Vergessen Sie’s einfach. Neun von zehn Schulen werden Ihre diesbezügliche Anfrage höflich, aber bestimmt bescheiden: «Ja, selbstverständlich tragen unsere Babyballerinen Rosa, was denn sonst? Und ein passendes Röckchen bringen Sie bitte auch!» Die eine, die übrig bleibt, lässt vielleicht weiße Schwänchen zu – «aber die Strumpfhosen, die müssen rosa sein, da gibt es eh nix anderes.» Wohl wahr.
Wer die einschlägigen Kleidergeschäfte sichtet, kriegt sowieso einen Rosa-Schock und erleidet am Ballettständer den endgültigen Augen-Infarkt: Trikots, Schuhe, Jacken, Röckchen, Stulpen – ein einziger Miss-Piggy-Wahnsinn.
Nicht umsonst hat Rudolf Nurejev 1978 ausgerechnet mit der beleibten TV-Schweinediva eine knallige Parodie auf den Rosa-Fummel-Fimmel seiner Kunst und dessen Nebenwirkungen geliefert. Denn Rosa ist nicht nur eine unmögliche Farbe, es macht vor allem unmöglich fett. Schwarz streckt die Linie, Weiß hat wenigstens eine unschuldige Note, aber in Rosa sehen noch nicht einmal Fünfjährige vorteilhaft aus – ...
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Raus aus dem Geklumpe! Soll man der zeitgenössischen Tanzszene Böses wünschen? Nein, das geht doch nicht. Sie hat es sowieso schwer genug. Tanz ist marginalisiert im Vergleich zu den anderen Künsten, beutet sich unaufhörlich aus. Immer fehlt es an allen Ecken und Kanten. Nur wie, fragt man sich, konnte es sich die Szene trotz all dieser Widrigkeiten so gemütlich...
Wo ist die echte «Giselle»? 1841 wurde das Ballett in Paris uraufgeführt und erfuhr seine erste Veränderung schon ein Jahr später in St. Petersburg. Dort wurde es mehrfach «rekonstruiert», und es geschah, was den Leiter des Deutschen Tanzarchivs Köln, Frank-Manuel Peter, nicht wundert, dass die Choreografie der «Giselle» dem Geschmack der Zeit angepasst wurde....
Schwarzsehen gilt nicht. Schon gar nicht für die Zukunft. Ein halbes Dutzend Stücke hat Marco Goecke in den vergangenen Monaten choreografiert, darunter immerhin Auftragsproduktionen für Les Ballets de Monte Carlo, das Nederlands Dans Theater II, Scapino Ballet Rotterdam, das Nors-ke Nasjonalballetten und für das Stuttgarter Ballett, bei dem er weiterhin unter...
