Diana Vishneva

Sie pendelt zwischen Sankt Petersburg und New York, mit Abstechern rund um den Globus – eine Ballerina von Weltformat, die ihre Kunst offensiv verteidigt. Weil sie um deren Zukunft fürchtet.

Tanz - Logo

Auf der Bühne beherrscht sie den Raum durch die leidenschaftliche, glühende Intensität ihrer anmutigen Körpersprache. Journalisten gegenüber ist es nicht selten gerade das Unausgesprochene, das sich als beredt erweist – aussagekräftiger als vieles, was die Sankt Petersburger Ballerina Diana Vishneva expressis verbis verlauten lässt.

So auch unlängst in Monte Carlo, wenige Stunden vor dem Europadebüt ihrer neuen Produktion «On the Edge», einem Doppelprogramm, das ihr die Choreografen Jean-Christophe Maillot und Carolyn Carlson auf den Leib geschneidert haben: Vishnevas Worte, ihr Tonfall, ihre Haltung, ihre Gesten und Blicke – mithin jede Äußerung der Tänzerin scheint auf etwas anderes zu verweisen, auf etwas anderes anzuspielen, als man vordergründig zu verstehen meint. In der Lounge des Luxushotels Metropole schmiegt sie sich in ihren Sessel, dem Gegenüber leicht abgewandt, als wolle sie sich vor zudringlichen Fragen schützen. Ihre Stimme ist kaum lauter als ein Hauch, das Russische perlt aus ihrem Mund wie ein geflüstertes Schlaflied. Noch auffälliger aber ist ihr Blick, der unentwegt im Raum umherschweift, ausweichend, bisweilen beinahe jenseitig. Erst als sich das Gespräch dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2014
Rubrik: menschen, Seite 12
von Silvia Poletti

Weitere Beiträge
Köln: «AriadneAmore»

Im Sommer 2013 stückelte Emanuele Soavi seine «Metamorphosis!» ins Kölner Römisch-Germanische Museum: ein Picknick mit zweideutiger Baguettestange, ein agiles Pärchen hinter einem niedrigen Steintor, eine Tänzerin mit Klamotten zwischen Vitrinen mit Miniaturskulpturen ohne Arm oder ohne Kopf, eine Gruppenchoreografie um Daphne und Apollo. Ein toller Ort für Tanz,...

Persönlich

newcomer_________
paul white

Gerade erst hat er den britischen Tanzpreis «for outstanding modern performance» erhalten, professionell gesehen ist er also schon ein alter Hase. Wo er jetzt gelandet ist, steht er indes für einen Aufbruch: «Ich bin eigentlich nur zu der Audition gegangen, weil mich interessiert hat, wie die das überhaupt hinkriegen wollen.» Mit «die»...

Screening

screening_________
polka dot

wird zur Fernsehshow. Ausgerechnet. Im Fernsehen müssen künstliche Schauspieler immer so tun, als seien sie sozial veranlagte, natürliche Menschen. In Wahrheit sind sie Marionetten des Gefühls, die der Berliner Tanzrevolutionär der 1990er-Jahre, Jo Fabian, in «Second Life» für sich entdeckte – das war damals die angesagte...