deutsches fernsehballett

Hochprofessionell, künstlerisch nicht anspruchslos – so überlebte das Deutsche Fernsehballett die Wende. Jetzt wird das Ensemble abgewickelt, infolge Auftragsmangels. Nachruf auf ein Stück DDR-Kultur

Tanz - Logo

Auf der Roten Liste bedrohter Kultureinrichtungen, die der Deutsche Kulturrat mit beängstigender Regelmäßigkeit in seiner Zeitung «Politik & Kultur» veröffentlicht, steht das Deutsche Fernsehballett ganz oben. Nächsten Monat, so heißt es da, soll sein Betrieb eingestellt werden – «wegen Auftragsmangels», wie der Berliner Fernsehproduzent Peter Wolf als Eigner des Ensembles die Schließung begründet. Er will den Mitteldeutschen Rundfunk auf Schadensersatz verklagen.

«Keine erfreuliche Geschichte», wie Emöke Pöstényi meint, deren Tanz- und Choreografie-Karriere mit der Geschichte des Ensembles aufs Engste verknüpft ist. 1962 wurde die Truppe von Günter Jätzlau gegründet – nicht zuletzt aus «ökonomischen Gründen», wie sich unsere Kronzeugin erinnert. Es war auf die Dauer zu teuer, vielleicht auch zu umständlich, für die vielen Unterhaltungssendungen des Deutschen Fernsehfunks (DFF) immer wieder neue Tänzer zu engagieren. Und Shows mussten sein, solange der sozialistische Staat nicht mit anderen Errungenschaften punkten konnte. Ein Fernsehballett, so etwas gab es in dieser Konsequenz nicht im Westen. Kein Wunder, wenn sich selbst «Werktätige» beeindruckt zeigten.

Talentsuche in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2014
Rubrik: traditionen, Seite 52
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
persönlich

newcomer_________

aleix martínez

Ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk bescherte Aleix Martínez die wohl größte Überraschung. Mitten in der Saison war mit einer Beförderung eigentlich nicht zu rechnen. Doch kaum dass der letzte Vorhang nach der Uraufführung von John Neumeiers nunmehr kompletten «Weihnachts-Oratorium» in der Staatsoper gefallen war, kürte Hamburgs...

separatisten

haben keinen guten Ruf – dabei trennen sie Spreu von Weizen, Papier- von Plastikmüll, klassischen Tanz von zeitgenössischen Formen. Immer geht es um Reinheit, um das Unverfälschte, um die Sauberkeit auch einer Tanzbewegung. Wenn sich Mitte Februar in Dresden die Crème der Tanzpädagogen zur Ausbildungsbiennale trifft, wird es auch darum gehen, ob diese Lust an der...

sadler’s wellsTM

In den letzten zehn Jahren ist er zum größten Player der modernen britischen Tanzszene avanciert: Alistair Spalding, Geschäftsführer und Künstlerischer Leiter des im Stadtteil Islington gelegenen Sadler’s Wells. Die Liste der mit dem Theater kooperierenden Künstler liest sich wie ein Who’s Who des britischen Gegenwartstanzes und kündet von Spaldings kommerziellem...