der zentaur
Es gibt ein Vorspiel vor dem Vorhang, einem monumentalen Plissee in gediegenem Beige. Pferde waren angekündigt, doch da steht ein Piano. Ein merkwürdiges Kerlchen klettert darauf herum und wirkt trotz eines Jacketts nicht gerade wie ein Pianist. Die schrägen Töne der Sonate kommen vom Band. Während sich der Piano-Alpinist unendlich langsam Richtung Boden windet, erweckt er kaum den Eindruck, er habe mit dem Publikum noch Menschliches zu teilen. Er dringt vielmehr vor ins Reich der Toten, ohne Anzug, nur scheinbar nackt. Seine silberfarbene Haut schillert wie ein Panzer.
In seinem Schutz überschreitet er die Grenzen zwischen Mensch und Schlange, Kröte, Ferkel oder Spinne. Es ist der Altmeister des Butoh, Ko Murobushi, der hier etwas Wiederkehrendes verkörpert, dieser einstige Gefährte Tatsumi Hijikatas, der nun sein Leben mit dem Pferdetrainer Bartabas und dessen engsten Vertrauten teilt, mit einem der Erfinder jenes Genres, das man Tanztheater mit Pferden nennt. Sie heißen Horizonte, Soutine, Pollock und Le Tintoret. Drei sind weiß, eines ist schwarz. Der Rumpf wächst wie ein Baumstumpf aus dem Boden, darüber thront ein menschlicher Oberkörper. Pferd und Mensch verwachsen ...
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Tanz März 2011
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Thomas Hahn
Man sollte den Dresdner Ballettdirektor Aaron S. Watkin nicht unbedingt beim Wort nehmen und an einem Abend, der sich «3 Farben Weiß» nennt, ein ballet blanc erwarten. Vielmehr wird das ganze Spektrum an tänzerischen Möglichkeiten vom Ballett der Semperoper ausgeschöpft. Das plakatierte Pigment auf der Farbskala des Balletts kommt dabei keinesfalls zu kurz. Im...
...hieß vor dreißig Jahren der Schlachtruf des damaligen Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann. Er forderte einen allen offen stehenden Zugang zur Kunst. Museen, Theater, Bibliotheken sollten Stätten jedes Bürgers sein, keine abgehobenen Musentempel. Seitdem mühen sich die Theater, immer neue Bündnisse nicht nur mit ihrem Publikum einzugehen, sondern auch...
Martin Puttke schimpft. Dabei schaut sein Gesicht ganz freundlich. Der lächelnde Revolutionär kämpft für die Leichtigkeit und Freiheit des Tanzes, «egal welchen». Ob klassischer, moderner oder zeitgenössischer Kanon. Ist ihm egal. Schlimm findet er nur dieses sture «Schritte formen, verstanden als ein unveränderlicher künstlerischer Code». In das Wort...
