Der Hamlet - Darsteller
In der Universität der Toten reißt das Ballett der toten Frauen in Heiner Müllers «Hamletmaschine» dem Hamlet die Kleider vom Leib, und Ophelia tanzt einen Striptease. Hamlet tanzt mit Horatio. Der Hamletdarsteller legt Maske und Kostüm ab: «Ich bin nicht Hamlet.», (1977, Uraufführung 1979). Und kehrt 1998 wieder bei Jérôme Bel: «I am not Hamlet.» Der Hamletdarsteller bei Müller: «Ich spiele keine Rolle mehr.» Und: «Ich stehe im Schweißgeruch der Menge und werfe Steine auf Polizisten Soldaten Panzer Panzerglas.
Ich blicke durch die Flügeltür aus Panzerglas auf die andrängende Menge und rieche meinen Angstschweiß. Ich schüttle, von Brechreiz gewürgt, meine Faust gegen mich, der hinter dem Panzerglas steht. (...) Ich bin die Schreibmaschine. Ich knüpfe die Schlinge, wenn die Rädelsführer aufgehängt werden, ziehe den Schemel weg, breche mein Genick. Ich bin mein Gefangener. (...) Die ausgestopften Pestleichen im Zuschauerraum bewegen keine Hand. Ich gehe nach Hause und schlage die Zeit tot, einig / Mit meinem ungeteilten Selbst.» Wenig später zerreißt der Hamletdarsteller eine Fotografie des Autors und erklärt: «Ich breche mein versiegeltes Fleisch auf. Ich will in meinen Adern ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Noch ist sie Gruppentänzerin im Hamburg Ballett. Im verflixten siebten Jahr startete die bühnenpräsente 27-jährige Brasilianerin durch. Sie profilierte sich in mehreren Solopartien, weckte bereits in der ersten Spielzeit-Premiere als Mädchen in John Neumeiers Choreografie von Maurice Ravels «Daphnis und Chloë» Aufmerksamkeit und Neugier. Mariana Zanotto gab der...
Wo ist die echte «Giselle»? 1841 wurde das Ballett in Paris uraufgeführt und erfuhr seine erste Veränderung schon ein Jahr später in St. Petersburg. Dort wurde es mehrfach «rekonstruiert», und es geschah, was den Leiter des Deutschen Tanzarchivs Köln, Frank-Manuel Peter, nicht wundert, dass die Choreografie der «Giselle» dem Geschmack der Zeit angepasst wurde....
Wenn sich etwas (oder jemand) als «Bruch» präsentiert, sollte man ihm miss-trauen. Weil die Theater und Festivals zwar neu, anders und radikal sein, doch immer ihre Zuschauermassen befriedigen müssen, zeigen sie jeden Künstler, der verspricht, nicht nur nackt zu sein (was längst nicht mehr radikal ist), sondern weiter zu gehen, nämlich der eigenen Haut treu zu...
