den haag: Douglas Wright: «rapt»
Das Eingangsbild: die gefilmte, unschuldige Neugier eines Babys. Dann bohrt ein Pressluftbohrer Löcher in den Bühnenboden: der Zorn des Teufels. Als Nächstes betritt eine Figur mit Vogelgott-Maske die Szene. Später blicken wir auf die Couch eines Psychiaters und den Tanz einer sich auflösenden Seele – zu Worten, die urkomisch wären, wenn sie nicht so authentisch klängen. Hier hält das Gute das Böse in Schach, gerade so. Ein Tänzer singt «Blue Moon», ausgezeichnet übrigens.
Überhaupt sind alle Tänzer hervorragend aufeinander abgestimmt in «rapt» – zu Deutsch: verzückt, andächtig –, dem neuesten Stück des neuseeländischen Kult-Choreografen Douglas Wright.
Der jahrzehntelange Kampf mit den Folgen seiner HIV-Infektion hat Wright viel Kraft gekostet. Einmal noch, so scheint es, kehrt er ins Studio zurück, einen Tanz noch kreiert er, seinen «letzten Tanz». Doch in Wrights Fall dürfte das wohl eher heißen: seine jüngste Choreografie.
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Tanz April 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 50
von Jennifer Shennan
Immer wieder dieser Satz: «Man muss Kunst und Politik trennen.» Omar Rajeh wird nicht müde, ihn zu wiederholen. «Ich vermeide es, über Politisches zu reden», sagt er und meint damit auch die explosive Lage in seiner Heimat, dem Libanon. Zu sensibel, zu kompliziert findet das ein Künstler, der sich in seinen Produktionen oft mit politischen Themen beschäftigt. Der...
Tanz hat es schwer, aber nur deshalb, weil er – entgegen seinem Hang zu Höherem oder gar zu einer gewissen Transzendenz – sich stets und unerbittlich gegen die Niederungen der Sprache wehren muss. Diese Niederungen drohen ihm am Staatstheater Braunschweig schon im Parkettfoyer, wo das Volk sich versammelt, bevor es vor der Bühne die choreografische Kunst von Jan...
im mai: le sacre du printemps_____
ist ohne Zweifel das Ballett des 20. Jahrhunderts. Am 29. Mai 1913 im Théâtre des Champs Élysées vorgestellt, ist es nicht etwa deswegen in die Annalen eingegangen, weil die Umstände seiner Uraufführung von allen Beteiligten als ein Skandal empfunden wurden. Strawinskys Musik, seinerzeit nicht unbedingt zur Freude des Komponisten...
