Den Boykott boykottieren

Dieter Jaenicke

Tanz - Logo

Tanz kann durchaus eine politische Kunstform sein. Anstelle von Buchstaben, Wörtern und Sätzen verwendet er Bewegungen und vermag damit so viele Sprachen zu sprechen, dass er jede Zensur überlisten kann. Tanz ist universaler als alle Sprachen und Nationen. Es gibt keine menschliche Kultur ohne Tanz – es sei denn, der Tanz ist aus religiösen oder autoritären Gründen verboten. Leider kommt das sehr oft vor. Tanz in seinen Ursprüngen war eine Art heiliges Ritual,- ausgerichtet auf eine Macht oder Gott oder etwas Mystisches.

Vielleicht ist das ein Grund, warum manche Religionen Probleme mit dem Tanz haben. Sie sind eifersüchtig auf ihn. Sie vermuten in ihm eine spirituelle und trans-zendente Kraft – Konkurrenz. 

Ein anderer Grund ist: Tanz benutzt ausgerechnet den Körper als Medium. Dieser Körper ist nun mal der menschlichste Teil des Menschseins. Körper ist Bewegung, Körper ist Sex, Körper ist Gebären. Körper essen und trinken und verdauen. Körper kämpfen, wachsen und werden alt. Körper sind schön, Körper sind zärtlich, Körper berühren und werden berührt. Körper stehen für Freude und Trauer und Angst, Rebellion und Gleichschritt, für Tai-Chi und Boxen, für Fußball und Hip-Hop, für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2018
Rubrik: Menschen, Seite 38
von Dieter Jaenicke

Weitere Beiträge
Berlin: Meg Stuart «Projecting [Space[»

Jeden Raum, den der Mensch in seiner Geschichte betreten hat, den hat er auch verändert, nicht selten zerstört, mindestens aber zivilisiert. Er hat den Boden aufgerissen, durchwühlt, kilometertief untertunnelt, die Schätze daraus geborgen. Und als es nichts mehr zu holen gab, ist er weitergezogen. So jedenfalls im Ruhrgebiet, wo seit dem Ende der Kohleförderung die...

München: Marco Goecke «La Strada»

Den «grauenhaften Abgrund, der zwischen zwei menschlichen Wesen aufbrechen kann», wollte Federico Fellini in seinem Film «La Strada» zeigen, und den ahnt man von Anfang im gleichnamigen Ballett. Wie aus einer Meereswoge taucht da Rosa auf, von der in der Vorlage allenfalls die Rede ist. Längst hat sie erlitten, was auch ihrer Schwester widerfahren wird: ein...

Jerome Robbins

Wer hat die «West Side Story» erfunden? Leonard Bernstein, würden zehn von zehn Befragten antworten. Eben nicht: Jerome Robbins war‘s. Wer? stutzen jetzt zehn von zehn Befragten, selbst unter den Kulturinteressierten. Nur ein paar Wochen nach dem weltweit gefeierten Komponisten und Dirigenten Bernstein hätte der Choreograf und Regisseur Jerome Robbins seinen 100....