Das TV braucht ein Volksballett
Irene Mann ist schon neun Jahre tot. Bill Milié, gleicher Jahrgang, 1929, starb zuvor an den Folgen von Aids. Jimmie James, Co-Leiter des Theaters in Cronenberg, choreografiert zwischendrin Pferdeshows – zum großen Erstaunen derjenigen, die ihn von früher kennen. Was die drei eint: Sie choreografierten selten oder gar nicht für die Bühne, sondern hauptsächlich für die Kamera.
Irene Mann war lange Jahre die Fernsehchoreografin schlechthin, sie war die Inkarnation des ZDF-Fernsehballetts.
Mit Ballett hatte das, was ihre Damen und Herren in den 1950er und 60er Jahren auf die Mattscheibe brachten, natürlich nichts zu tun. Man hatte in Deutschland nur keinen rechten Namen dafür und nannte eben alles, was Frauen und Männer in Kostüm und Maske tänzerisch machten, der Einfachheit halber Ballett. Man konnte die, die dafür die Schritte erfanden, noch nicht einmal stilistisch über einen Kamm scheren. Denn Irene Mann, in Königsberg geboren, arrangierte langbeinige Girls mit den entsprechenden Boys dazu, wie sie das seit Jahr und Tag am Friedrichstadtpalast taten, wo auch sie einst die Keulen geschwungen hatte. Es war die deutsche Variante von Revue- und Showtanz, wie sie in Las Vegas und Paris ...
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Zwei Tänzerinnen im Duell mit ihren digitalen Schatten. Nur schemenhaft sind ihre Körperkonturen im Halbdunkel der Szene zu erkennen. Ihre Silhouetten phosphoreszieren, glimmen in schimmernden Farben nach. Lichtstrahlen schreiben sich auf die Körper ein und erwecken den Eindruck eines Röntgenbilds. Die ekstatischen Bewegungen scheinen für Sekunden in der Zeit...
Dance films are a cinema of poetry, exploring certain ideas through various situations rather than narrative. This definition comes from the pioneer of dance film making who launched a new film movement in the early 1940s, Maya Deren. An independent worker and thinker, she explored the language of film in her theoretical writings as well as in practice. Her...
Bruno Beltrão wurde schon früh als Wunderknabe gefeiert. Gerade mal 24 Jahre alt, hat der Brasilianer schon eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Mit 16 tanzte er in seiner eigenen Streetdance-Kompanie. Mit 20 wechselt er von der Straße zur Uni: Er studierte Kunst- und Tanzgeschichte, las Nietzsche und Aristoteles. So fiel er von der reinen Lehre ab und erschuf...
