das letzte interview
2003 war Kazuo Ohno 97 Jahre alt. Er tanzte ein Duett mit seinem Sohn Yoshito Ohno. Es war sein letzter offizieller Auftritt, und es schien, als würde durch den Tanz seine Seele fortfliegen – weit über seinen gebrechlichen Körper hinaus. Er saß im Rollstuhl, doch sobald die eindringliche Violine von Yoko Sato einsetzte, schien Kazuo Ohno zu schweben. Eine zärtliche Erotik ging von seinem Körper aus. Im schwarzen Anzug wirkte es, als würde er ihn gleich verlassen.
Diese Erotik war für ihn die Quintessenz des Butoh. Ein freier Tanzfluss, der auf Improvisation beruht.
Alles konnte für ihn Tanz oder ein Gedicht werden, wenn es nur die Grenze zum Körper überschritt. Durch den Körper hindurch, glaubte er, könne der Geist befreit und zu einem Teil des Universums werden. Immer schien er im Tanz auf etwas Unsichtbares zu reagieren, das zu ihm sprach. Sein letzter Tanz ließ mich ernsthaft fragen: Was ist Tanz überhaupt? Wir trafen uns in seinem Haus in Kaminoshikawa am Rand von Yokohama. Das Foto seiner verstorbenen Frau, ihr lächelndes Gesicht, stand auf einem Altar. Wir verbrachten den ganzen Nachmittag zusammen, sprachen über seinen Tanz und die Menschen, die ihn beeinflusst haben, über ...
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