Das Bild und seine Geschichte

Auf Kuba feiern die Dicken eine Revolution.

Tanz - Logo

Diese schwergewichtigen Tänzer wollen unbeschwert und völlig losgelöst hoch hinaus. Auf Kuba, der kommunistischen Karibik-Insel mit all den drahtigen Muskel-Macho-Männern, hat die Companía Danza Voluminosa eine zweite Revolution angezettelt. Wann sah man je so füllige Ballerinen so kokett ihre mächtigen Schenkel lüpfen oder mit weit ausgespannten Wabbelarmen zum Vogelflug vom Boden abheben?

Vielleicht in Maguy Marins «Groosland», damals in Holland.

Aber in ihrem humoristischen Putzkolonnen-Bacchanal zu Bachs «Brandenburgischen Konzerten» war die Körperfülle nur eine zweite, erborgte, dick wattierte Haut, um dürre Tänzer aufs Doppelformat zu stopfen. Hier dagegen bei den Damen von Danza Voluminosa ist alles echtes, pfundschweres Fleisch. Von der eigenen Last befreit sie ihre Tanzlust, und zwischen ihnen hüpft ihr 130 Kilo schwerer Gründer Juan Miguel Más mit faunischen Freudensprüngen. Hier herrscht beides: ein unbedingter Wille zur Form und eine durch ihre Kondition bedingte «Formlosigkeit» der unbeherrschbar schwingenden Körperlinien auf der Bühne. Das führt direktemang zu einem offensiven Selbstbewusstsein.

Mit dem Schlachtruf «Más» («Mehr!») hat Juan Miguel Chigin den Aufstand ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2009
Rubrik: Entree, Seite 4
von Klaus Witzeling

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gradimir Pankov über Les Grands Ballets Canadiens

Gradimir Pankov
wenn man Montréal hört, denkt man unwillkürlich an Marie Chouinard, Ginette Laurin, Édouard Lock, Dave St. Pierre – nicht unbedingt an Les Grands Ballets Canadiens, die ebenso oft im Ausland gastieren. Woran liegt das?                                                       Weil man fälschlichlicherweise Les Grands Ballets Canadiens noch immer als ein...

Fabian Chyle: «Re-Inventing Nijinsky»

«Ich bin Gott», schrieb Vaslav Nijinsky. «Ich bin der Geist in jedem Menschen». «Ich bin Vaslav», sagen brave Bürger am Eingang der Ludwigsburger Karlskaserne in die Kamera. «Ich bin kein wildes Tier», sagt eine Stimme auf der Bühne, auf der der alte Videokünstler Alex Schmidt an einem kleinen, brüchigen Wohnwagen zimmert. Fabian Chyle tritt hinzu, der Stuttgarter...

Im Tanzpalast

An Hellerau kommt keiner vorbei. «Stop» signalisiert das neue Logo, die Silhouette des Festspielhauses in ein großes H eingebettet. H wie Hellerau eben, wie Haltestelle, wie Hoffnung. Glaubt Dieter Jaenicke – und wünscht sich, dass man in zwei Jahren beim H nicht mehr an Straßenbahn, sondern unwillkürlich ans Europäische Zentrum der Künste Dresden denkt, das dort...