Crystal Pite
Ein kontinuierliches Oszillieren zwischen formaler Strenge und künstlerischem Wagemut: So bezeichnet die kanadische Tänzerin und Choreografin das Spannungsfeld, in dem sich die geordnete Mehrstimmigkeit ihrer Kreationen entfaltet.
Pites Arbeiten für große Ensembles – «The Seasons’ Canon» etwa, das sie für mehr als 50 Tänzerinnen und Tänzer des Pariser Opernballetts kreierte, oder «Flight Pattern» fürs Royal Ballet London – erscheinen auf den ersten Blick wie kreative Variationen ein und desselben Themas: dynamische Ensemble-Konfigurationen, die -unterschiedlichen Timings und Rhythmen folgen und die kanonischen Regeln der Körper-Komposition deklinieren. Gerne erläutert Pite ihre choreografischen Intentionen anhand ihrer Stücktitel. «Pattern» und -«Canon» suggerieren bereits die Regeln geordneter Mehrstimmigkeit, denen sie ihr Bewegungsmaterial unterzieht. Sie beherrscht ihr Handwerk und weiß um den Effekt, den allein schon die kollektive Wucht eines großen, wogenden Ensembles erzielen kann, scheut aber auch nicht davor zurück, auf Althergebrachtes zurückzugreifen. Denn wer wagt es heute überhaupt noch, für ein großes Corps de ballet zu choreo-grafieren?
Tatsächlich aber ...
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Saison 2018/19: the winners are, Seite 130
von Silvia Poletti
Folgende Orte habe ich bislang als home bezeichnet: Peterborough, Annandale-on-Hudson, Manhattan, Frankfurt am Main, Paris, München, und Madrid. Die Liste der Orte, an denen ich mich vorübergehend zu Hause gefühlt habe, ist allerdings weitaus länger. Andererseits fehlen auf ihr zuweilen auch Orte, an denen ich wohnte – meine eigene Haut eingeschlossen.
Ich bin...
Der Duft von Pfannkuchen. Die Art, wie der Wind riecht. Wie die Diele knarzt. Wie sich der Boden unter den Füßen anfühlt. Wen wir zum Reden suchen, wenn wir in Sorge sind. Mit wem wir Freude teilen, wenn sie zu viel ist für einen allein. Ein Gericht. Der Gruß des Nachbarn. Ein Lied. Dass der Bäcker weiß, welches Brot wir lieben. Wie wir feiern. Die Chefin der...
Im vergangenen April stellte eine junge deutsche Sängerin, Tänzerin und Choreografin in Brüssel ihr Stück «Störlaut» vor. Der Titel könnte exemplarisch für das stehen, was Jule Flierl ist und tut – nur dass sie ihr Publikum nicht aus bloßer Konfrontationslust «stört» bzw. verstört, sondern aus einem ganz anderen Grund: Flierl gehört zu jener seltenen Spezies von...
