Choreografen-Wettbewerb Hannover

Tanz - Logo

Der junge Choreograf ist sich selbst am nächsten. Dreht gern Soli um sich selber oder duettiert mit Partnerin Beziehungszoff aus. Ersteres war beim 19. Internationalen Wettbewerb für Choreografen in der Staatsoper Hannover untersagt. Zweites wurde von sechs, unter den 160 Bewerbern ausgewählten Teilnehmern, meist ironiefrei praktiziert.
In der Vorrunde mit 17 Kurzstücken zeigte Ryszard Kalinowski, wie schlecht es verliebten polnischen Männern ergeht. Bleich kam er kaum vom Boden hoch und landete bald wieder auf allen Vieren.

Der Brite Benjamin Duke bekannte sich in «Pave Up Paradise» frech zur Erbsünde, nackte Frauenkörper anziehend bzw. ausziehend zu finden, kommentierte frivol den biblischen Sündenfall auf Zeithöhe und bekam im Finale den zweiten Preis (3000 Euro) der neunköpfigen Jury aus Ballettdirektoren und Choreografen.
Den ersten, mit 6000 Euro dotierten Preis errang der Japaner Shintaro O-ue buchstäblich im Clinch mit dem deutschen Tanzpartner Tilman O‘Donnell. Sein kraftvolles Contact-Duo «del a» mit dem sich aufblasenden Alter ego überraschte durch Akrobatik und Witz ebenso wie Liat Magnezys ästhetisch strenge Intifada-Studie über Gewalt «And She Was ...». Die israelische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2005
Rubrik: Service, Seite 76
von Klaus Witzeling

Vergriffen
Weitere Beiträge
Avignon: Wieder nur Theater?

Der Schock saß tief, und er wirkt nach. Zwei Belgier lösten den größten Pariser Kulturzoff der letzten Jahre aus, als im Théâtre de la Ville Jan Fabre seine Tänzerinnen auf der Bühne urinieren ließ («The Crying Body») und gleich danach in «Sonic Boom» von Wim Vandekeybus ein Akteur damit drohte, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Sinn und Inhalt der Stücke wollte...

Zu viel versprochen

Wer wollte den Choreografen den Mund verbieten! Wenn sie was zu sagen haben, wird sie niemand daran hindern. Aber so viel Gerede wie beim neuesten Abend des Stuttgarter Balletts war noch nie. In «Eden | Eden» debattieren angeblich «zwanzig der führenden Wissenschaftler über die historischen, wissen­schaftlichen, ethischen und religiösen Aspekte des Umgangs mit dem...

DVD

Viele Ballette des 19. Jahrhunderts fielen in den tiefen Brunnen der Vergangenheit. Obwohl man gern wüsste, wie Marius Petipas zweites Ballett für das St. Petersburger Mariinsky, die 1862 auf eine possierliche Tschingbum-Musik von Cesare Pugni entstandene Tochter des Pharao ausgesehen hat. Dieses vier Stunden lange Ägypten-Ding, ästhetischer Nachklapp auf...