charleroi: Johanne Saunier: «Modern Dance»
«Sicher liegt ein Widerspruch darin, einen Tanzmarathon in 60 Minuten abhandeln zu wollen, aber ein Stück von einer Stunde ist doch heute eher lang», sagt Johanne Saunier trotzig über ihre Kreation «Modern Dance». Die Tanzmarathons, die in den 1920er-Jahren in den USA für Furore sorgten, hat sich schon Mathilde Monnier (tanz 8-9/12) gewidmet und dabei manchen Zuschauer durch die pure Dauer der Veranstaltung erschöpft. Saunier und ihre zwei Mitstreiterinnen rauschen dagegen direkt in eine Art Binge Dancing: Je schneller Frau sich dem K.o. nähert, umso besser.
Sie haben ja recht: Was man früher in zehn Stunden erledigte, dafür reicht heute oft eine einzige. Und unsere Spaßgesellschaft ist eine globale Titanic, deren Passagiere selbst einen Marathon zum Total-Amüsement erheben. Sauniers Metapher zielt auf den Zeitgeist. Dance fast, die young! Bei den Marathons kam es einst darauf an, sich die Kräfte clever einzuteilen. Das war höchst rational, und viele traten auch deshalb an, weil sie gratis verköstigt wurden – solange sie durchhielten.
Saunier selbst gibt die extrovertierte, tellurisch-wuselige Hexe an der Seite einer feingliedrigen, unglaublich filigran und präzise tanzenden ...
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Tanz November 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 41
von Thomas Hahn
So sensibel. So unglaublich behutsam – man fürchtet fast, das feinstoffliche Gewebe, das sich dort auf der Bühne entspinnt, kann die grob-poltrige Realität einer Zuschauerschar kaum aushalten. «Vortex Temporum», ein «Zeitenstrudel», in den Tänzer und Musiker mit überwachen Sinnen, hoch empfindsamen Körpern gesogen werden, hin zu einem Verschwinden, zum Verlöschen...
Wie in ihrem berühmten Krückenballett zu J. S. Bachs «Goldberg Variationen» spielt Marie Chouinard auch in ihrem neuen «Gymnopédies» mit Show und Wiederholung. Erik Saties gleichnamige Klavierkomposition von 1888, ein Trio melodiös-melancholischer Salonstücke, quillt bis heute allüberall aus Radio, Player, Film. Die kanadische Choreografin reitet sie nun zu Tode....
kinofilm_________
tanja liedtke
Ihr plötzlicher Unfalltod im Mai 2007, überfahren von einem Müllwagen, löste eine Schockwelle aus. Tanja Liedtke, soeben zur neuen Leiterin der Sydney Dance Company ernannt, galt mit ihren 29 Jahren als der Rising Star – bei gerade mal drei abendfüllenden Choreografien: «Twelfth Floor» (2004) sowie «Construct» und «Imploded» (2007).
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