Carolyn Carlson: «Inanna»

in Roubaix

Tanz - Logo

Erleichterung schon vor der Aufführung. «Das Pub-likum ist zurück», freut sich ein Kenner des Hauses, der die schwierige Wandlung von Maryse Delentes Ballet du Nord in Carolyn Carlsons CCN mitgemacht hat, samt Auflösungsängsten. Und das Publikum dürfte bleiben. Es hat die Neue auf Anhieb ins Herz geschlossen, wenn auch der Jubel nicht darüber hinwegtäuscht, dass Carlson wieder auf der Suche nach sich selbst ist.
Ihre freie Kompanie und ihr Studio auf der Cartoucherie, vis à vis zum Théâtre du Soleil von Ariane Mnouch­kine, steckten in einer Sack­gasse.

Um so kreieren zu können, wie sie es sich vorstellt, brauchte Carlson andere Produktionsbedingungen, strukturell und finanziell. In Roubaix ist derweil Erleichterung spürbar, dass das Flaggschiff der Tanzszene wieder flott ist. Ohne dass je eine Bemerkung darüber gefallen wäre, dass in der Einstandskreation für sieben Tänzerinnen nicht eine aus Frankreich stammt und die Choreografin ja auch nicht. Das macht Mut in Zeiten, da die Demagogie der Vernunft den Rang abläuft. Drei der sieben Interpretinnen gehörten schon zum Ballet du Nord, aber alle stammen aus den verschiedensten Himmelsrichtungen, geografisch und choreografisch. Das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2006
Rubrik: On Stage, Seite 40
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Football, c’est full impro, quoi?

Könnten nicht Ballettkritiker an Premierensamstagen im Radio etwas Ähnliches machen wie Fußballreporter bei der Bundesliga? Wäre es nicht reizvoll, eine Ballettaufführung live zu kommentieren? Vergleiche und Statistiken etwa, wie sie in den Fußballsendungen häufig angeführt werden, ließen sich zu berühmten Klassikern im Tanz leicht zusammenstellen. Statt die...

Auf, auf, zum Streik!

«Alle psychologischen Stigmata hinterlassen ihre Spuren in Körper und Seele und bestimmen das choreografische Schaffen.» So spricht  Marie-Claude Pietragalla, herabgestiegen aus den Höhen des Glamours. Herab ins flache Land, in die Gemeinden des ehemaligen Kohlereviers im Schatten der Grenze zu Bel­gien. Die Primaballerina des Volkes zeigt, dass sie noch lebt, will...

Kevin O’Day: «Robert, Richard & Johann»

Wie soll man es verstehen, wenn ein amerikanischer Choreograf zu einem Ballettabend einlädt, der unter dem Motto steht: «Per Du mit drei deutschen Meistern»? Wenn diese Meister aus der Musikgeschichte kommen, Robert Schumann, Richard Wagner und Johann Sebastian Bach heißen? Und der Choreograf Kevin O’Day, bekannt für seine dynamischen, raffinierten Stücke zu...