Brief aus Kolkata

Assia Maria Harwazinski über tanzende Kinder im Slum

Tanz - Logo

Das Rotlicht-Viertel Kalighat befindet sich mitten in der 15-Millionen-Stadt Kolkata im indischen Bundesstaat Bengalen. Es ist ein Slum, in dem etwa eintausend Frauen mit ihren Kindern zusammenleben. Man sieht die Kinder auf den Dächern. Vergnügt lassen sie Drachen steigen. Die Realität ist: Ihre Mütter liegen unterdessen in den armseligen Hütten mit einem Freier im Bett. Grausam ist, dass sich die Kleinsten, während die Mütter sich prostituieren, unter dem Bett verstecken und keinen Mucks von sich geben.

Diese Situation prangerte schon die Regisseurin Myra Nair in ihrem berühmten Film «Salaam Bombay» an. Damals, 1988, schwappte eine Welle der Empörung durch Indien. An der Lage der Frauen und Kinder änderte sie wenig. Ihre Väter kennen die Kinder und Jugendlichen nicht, die meisten sind drogenabhängig, viele stammen aus der untersten Kaste der Dalits, der «Unberührbaren». Mit Drogen gefügig gemacht, steigt die Zahl der HIV-Infizierten ständig.

Es ist eine geschlossene Welt, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Die Kinder werden selber Prostituierte und Dealer. Im aktuellen Dokumentarfilm «Born into Brothels» von Zana Briski und Ross Kauffman sieht man zum ersten Mal, wie die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2009
Rubrik: Brief, Seite 49
von Assia Maria Harwazinski

Vergriffen
Weitere Beiträge
Samuel Wuersten und die Tänzer-Wettbewerbe

Samuel Wuersten

man sieht Sie oft bei Wettbewerben – wissen Sie noch, in wie vielen Jurys Sie gesessen haben?                                                                                                                      Ich schätze fünfzehn oder zwanzig in ebenso vielen Jahren.

Sind Sie selbst angetreten?                                                      ...

Neu: Die Highlights im Januar

Das Grösste

Festival findet ab dem 6. Januar in The Place in London statt Jede Nacht Tanz, Tanz, Tanz. In «Resolution!» sind es mehr als einhundert britische Kompanien, die sich bis zum 21. Februar den Tanzboden teilen. Parallel dazu gibt es «Aerowaves», Europas fein vorsortierter Nachwuchs – er ist immer freitags und samstags dran. Wenn man ihn verpasst, fährt man...

Pierre Lacotte: «La Sylphide»

«Es ist den Volkssagen eigentümlich, dass ihre furchtbarsten Katastrophen gewöhnlich bei Hochzeitsfesten ausbrechen.» Der Ironiker Heinrich Heine hatte bei seinen Reflexionen über die «Elementargeister» auch «La Sylphide» im Blick. Er war Zeitzeuge von Marie Taglioni, die im Tanztheater ihres Vaters Filippo als Elfe mit Flüglein und Spitzenschuhen Triumphe feierte...