biennale in bewegung
Die 56. Ausgabe der «Biennale di Venezia» konfrontiert den Besucher allenthalben mit Tanz – offen, andeutungs- oder erinnerungsweise. Kurator Okwui Enwezor, Leiter des Münchner Hauses der Kunst, hat das Motto «All the World‘s Future» ausgegeben, unter dem sich nunmehr vielfach durchaus Theatralisches bestaunen lässt. Da ist zum Beispiel der japanische Pavillon auf dem Gelände der Giardini, dem Hauptschauplatz der internationalen Kunstausstellung im Osten der Lagunenstadt.
Chiharu Shiota hat eigens für die nationale Repräsentanz ihrer Heimat eine Installation entworfen: ein Holzkahn, darüber gespannt eine Fadenkonstruktion mit 50 000 teilweise rostigen Schlüsseln. Sie sind Statthalter persönlicher Erinnerungen, weil von Spendern an die Künstlerin ausgehändigt, und zugleich «Türöffner zu unbekannten Welten», wie Shiota sagt. Dem Tanzpublikum ist sie seit 2009 durch ihr auf und ab tanzendes Mobiliar für Constanza Macras‘ «Oedipus Rex» bekannt. Für Sasha Waltz’ Operninszenierung «Matsukaze» montierte sie 2011 ein schwarzes, dreidimensionales Netz ins Bühnenportal, durch das zwei Sängerinnen – zwischen Leben und Tod taumelnd – wie durch eine alpine Wand kletterten.
Taumelnde Bewegung ...
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Tanz August-September 2015
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von
It‘s done. Nach einem ersten Anlauf in St. Pölten (tanz 1/15) und einer Arbeitsphase in Darmstadt hatte nun tout Berlin beim Festival «Foreign Affairs» das Vergnügen, die Vollendung zu betrachten, einer Überwältigung beizuwohnen und einen Gänsehautfaktor zu erleben, den der Israeli mit Wohnsitz London ähnlich wie seine Landsfrau Sharon Eyal aus der Clublandschaft...
«Ich lebe in einem sterbenden Europa», schimpft die Choreografin Angela Guerreiro. «Keine Jobs. Schleichende Armut. Länder, die ihre Idee von Unabhängigkeit aufgeben.» Aus der Tiefe des Bühnenraums kommt Robert Steijn und zieht sich aus. Legt sich auf den Boden. Und schläft. Totale Entspannung. Kein Stress. «Keine Spur davon, dass ich jemanden überzeugen müsste»,...
Als Erstes fällt sein Yorkshire-Dialekt ins Ohr, leicht abgeschwächt nach jahrelanger Tätigkeit in London und anderswo, aber noch immer mit dem unverkennbaren Tonfall der Region um Huddersfield, wo er 1957 geboren wurde: warm, entspannt, freundlich, wie David Bintley selbst. Er trägt einen blauen Pulli und Jeans, ist mittelgroß gewachsen, und sein dunkles Haar...
