Foto: Doune

Berlin: Serge-Aimé Coulibaly «Kalakuta Republic»

Tanz - Logo

In nicht wenigen Staaten dieser Welt sieht es doch so aus: Wenn du dein Wohnzimmer zur unabhängigen Republik erklärst, musst du Barrikaden bauen und die Belagerung durch Scharfschützen einkalkulieren; wenn du dort ein Tonstudio betreibst, aber deine Songs den Herrschern missfallen, wenn du gar eine populäre Protestmusik erfindest – dann endest du als politischer Gefangener. So wie einst Fela Kuti in Nigeria, der seinen Lebensort zur Kalakuta Republic erklärte, in Anspielung auf seine Gefängniszelle, Calcutta genannt.

Felas einstige Privat-Miniatur der Pariser Commune inspiriert nun Serge-Aimé Coulibaly zu einem Wurf. Im Maison de la Danse von Lyon rief er seine eigene, choreografische «Kalakuta Republic» aus, die ihre Kreise vom «Festival de Marseille» übers «Festival d’Avignon» bis zum Berliner «Tanz im August» zieht.

Coulibaly stammt aus Burkina Faso, ist aber in Belgien tanzsozialisiert. Er lebt in Brüssel, tanzte in «Wolf» und «C(h)œurs» von Alain Platel sowie mit Sidi Larbi Cherkaoui in «Tempus Fugit». Platels und Cherkaouis Ansatz, Stimmungen zu verdichten und Aussagen zu treffen, ohne dafür lineare Narration zu bemühen, prägt auch Coulibalys Arbeit. Dazu gibt er sich gerne ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
El Baile

Sie sollte ja nicht. Eigentlich. Mathilde Monnier hatte sich offiziell von der Kreation und nach Paris verabschiedet, da sie sich um das Wohl des Centre National de la Danse zu kümmern hat, dessen Geschicke sie seit Januar 2014 leitet. Dort rief sie neue Projekte ins Leben, allen voran «Camping», das internationale Treffen von Tanz- und Kunsthochschulen, das im...

Free Fall

Am besten betritt man den Dark Room einzeln. Obwohl, so dunkel ist es in dem Raum dann doch nicht, den der Choreograf Jiří Kylián mit seinen Fotos bestückt. Auch ist man nicht ganz allein. In einer Ecke scheint jemand, auf einem Stuhl sitzend, auf all die Objekte aufzupassen, die sich vom Besucher greifen lassen. Beim Nähertreten meint man Sabine Kupferberg zu...

Bücher, CDs, DVDs August/September 2017

Verboten: O-Ton Pina Bausch

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Tanz-Buch womöglich Rechtsgeschichte schreibt. Wenn es bei dem Urteil bleibt, das am Berliner Landgericht in Sachen «O-Ton Pina Bausch» ergangen ist, steht mutmaßlich mehr auf dem Spiel als die Frage, ob die Regisseurin und Choreografin Ruth Berghaus darin richtig und angemessen wiedergegeben ist....