berlin: isabelle schad, laurent goldring «der bau»

Tanz - Logo

Laurent Goldring – Medien- und bildender Künstler, bevorzugtes Material: der lebende Körper – wohnt in der Nähe des Pariser Marché Saint-Pierre, eines Kaufhauses für Stoffe aller Art und Preisklassen. Von dort brachte er für die Tänzerin Isabelle Schad einen gefühlten Quadratkilometer Tuch mit, um es in eine Art Behausung zu verwandeln. So setzen sich beide mit Franz Kafkas Erzählung «Der Bau» auseinander: der Geschichte eines Tiers, das sich in ein abgeschottetes Labyrinth zurückgezogen hat und zusehends von Verfolgungsängsten geplagt wird, obwohl nie ein Feind auftaucht.

Isabelle Schad kommt splitternackt auf die Bühne des Espace Pasolini in Valenciennes, beugt den Oberköper nach vorn und legt die Hände auf die Knie. Ihre Ellbogen vollführen beklemmende, kreisende Bewegungen, während die Finger an den Beinen herabfahren. Das wirkt fast zwitterhaft, nicht mehr ganz menschlich und noch nicht wirklich animalisch. Wie die Ich-Figur bei Kafka.

Schads Nacktheit empfindet man binnen Kurzem als Normalzustand eines Körpers, über den sich die zweite, umfassende Nacktheit des völlig leeren Raums legt wie die beunruhigende Wärme einer Isolationshaft-Zelle. Nur eine entfernte, verstörende ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
das große flattern

«Atmet einfach ein und aus, entspannt euch – und habt vor allem Spaß!» Dirk Elwert ist keine Bürokratenseele, sondern ein ziemlich guter Seelsorger. Er kann sich offenbar lebhaft ausmalen, wie es gerade um die 23 blutjungen Damen und Herren bestellt ist, die sich an diesem Sonntagmittag im Ballettsaal des Leipziger Opernhauses versammelt haben. Eigentlich gehören...

Nur im Netz

Bremen: «The House that never Walked» von Opiyo Okach, Helge Letonja

Hannover: «Versuchungen» von Felix Landerer, Commedia Futura

Gent: «X-on» von Ivo Dimchev

Italien: «Cinderella» von Giorgio Madia

forever young

1933, 1949, 2003. Dies sind die Uraufführungsdaten dreier höchst unterschiedlicher Choreografien, die das Bayerische Staatsballett unter dem programmatischen Titel «For-ever Young» zu einer Triple Bill zusammengespannt hat. Die behauptete ewige Jugend der beiden historischen Stücke soll sich, so scheint es, am dritten und jüngsten im Bund, an Russell Maliphants...