berlin
In Ägypten und im Iran ist, wie einst auf deutschen Marktplätzen, die Hinrichtung ein schönes Fest. Der Überlieferung nach war es ja auch eine Hinrichtung, die das Christentum entstehen ließ. Johann Kresnik lässt also Jesus auf die Bühne tragen. Die von George Grosz bekannten Kasperlefiguren Richter, Politiker, Bankier, Bischof und Offizier laben sich an einem Schnitz des soeben mit dem Hackebeilchen zu Salami verarbeiteten Heiland-Gemächts. «Nehmt und esst; das ist mein Leib».
Der 77-jährige Kresnik ist durchaus bibelfest, wenn er sein Grand Guignol im Namen von Pier Paolo Pasolini mit dem Stahlhammer vorstellt: als Schmiere der Macht, deren Lust sich in Sadomasochismus erschöpft. Dabei besteht das ganze Geheimnis seines Hinrichtungstheaters allein darin: Es darf keinen doppelten Boden geben. Nur rohes Tänzerfleisch, den Hungrigen zum Fraß vorgeworfen.
Gottfried Helnwein, der Hyper-realist unter den Malern, siedelt das Folter-Anwesen nicht in einer repräsentativen Villa der faschistischen Republik von Salò an, wie Pasolini in seinem letzten Film von 1975, sondern in einem gewaltigen Konsum-Supermarkt. Weshalb es im Libretto von Christoph Klimke gleich heißt: «Konsum ist der neue ...
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Tanz Juli 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Arnd Wesemann
fortbildungen______
Copenhagen Contemporary Dance School
12 Week Intensive Post-Graduate Programme; 1 Year Full Time
Pre-Education; cph-dance.com
school auditions______
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim, Akademie des Tanzes
Aufnahmeprüfungen 2015/16
Bachelor of Arts Tanzpädagogik:
10. Sept.; Anmeldeschluss: 1. Aug.
Master of Arts Tanz: 14. Sept.
Anmeld...
screening_________
merce cunningham
Knallende Türen, empörte Zuschauer: Noch 2011 machte die Merce Cunningham Dance Company auf ihrer Abschiedstournee die Erfahrung, dass die Kunst ihres zwei Jahre zuvor verstorbenen Gründervaters manche Besucher überforderte. Der Doyen der US-Tanzmoderne war seiner Zeit ein gutes Stück voraus und hat mittels präziser...
im august/september: kritik üben_______
Irmela Kästner, Kollegin und Kritikerin, hat in Hamburg sechs Tänzerpersönlichkeiten die Frage nach ihrer Kritikfähigkeit gestellt – und damit auch die Frage nach der Kritikfähigkeit von Kritikern angestoßen. Was eigentlich berechtigt zu Kritik? Die eigene Glaubwürdigkeit, sowohl die des Tänzers als auch die des Kritikers?...
