außer sich

Der Tänzer ist eine Hülle voller Muskeln. Das Kostüm ist die Verlängerung seiner Bewegungen – ein etwas anderer Blick auf die Bühnen-Verkleidung

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Wie Roboter auf dem Kriegspfad bewegen sich die Performer in «netBody» des japanischen Choreografen Suguro Goto. In ihrem panzerartigen schwarzen powered suit sind sie ihrer Muskeln und Gelenke nicht Herr. Virtuelle Avatare steuern ihre Regungen. Die Anzüge sind motorisiert und zwingen den Tänzern ruckartige Gesten und Bewegungen auf. Steif um die Gürtellinie, den Kopf abrupt drehend, sind sie weder im Aussehen noch in ihren Bewegungen als Menschen zu erkennen.

Wenn sie den Rumpf beugen, erinnert es eher an Kampfkunst, mehr noch an Marsmenschen, Astronauten oder US-Soldaten im modernen Krieg. Goto definiert das Gestänge, in das er die Performer zwängt, als ein Exo-Skelett. Nicht die Wirbelsäule, ein am Körper außen appliziertes Gestänge bewegt sie. Der Körper ist fest in die Prothese integriert und ihr untergeordnet. Das Kostüm, wenn man es noch so nennen will, besteht aus einem selbstaktiven Korsett.

Mag das auch futuristisch anmuten, hier übernimmt das Kostüm die künstlerische Vorherrschaft, steht also nicht länger im Dienst einer Figur, sondern hat die konkrete Funktion, den Körper über sich selbst ­hinaus zu verlängern. Das Kostüm als solches wird zur tanzenden Figur. Das ...

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Tanz Januar 2011
Rubrik: traditionen, Seite 48
von Thomas Hahn

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