Altenburg: «Eine infernalische Reise/Letzte Lieder»

Silvana Schröder «Eine infernalische Reise/Letzte Lieder»

Tanz - Logo

Die «Dante-Sinfonie» ist für die Bühnen der Stadt Gera eine Nummer zu groß. Jedenfalls, was den Orchestergraben betrifft; die Harfen müssen für die Zeit der Aufführung mit den beiden Proszeniumslogen vorliebnehmen. Ansonsten ist das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera allerdings ganz da, und Generalmusikdirektor Laurent Wagner schöpft mit hörbarem Erfolg aus dem Vollen.

Düster dagegen die Bühne von Andreas Auerbach: ein «schwarzes Loch», in dem alles Lebendige zu verschwinden droht.

Ein Einziger scheint sich dem Sog zu widersetzen: Dante Alighieri, Dichter jener «Divina Commedia», die Franz Liszt 1855/56 in Töne setzte. Erst als ihn die «toten Seelen» seiner typischen Physiognomie berauben und ihn zwei Sätze lang gleichsam als einen der Ihren betrachten, kann er das «Inferno» und das «Purgatorio» sozusagen am eigenen Leib erleben.

Silvana Schröder bebildert die «Göttliche Komödie» nicht, wie das beispielsweise ein Botticelli oder Gustave Doré getan haben. Das hätte leicht banal geraten können. Vielmehr bleiben die Visionen der Ballettdirektorin bei aller Virtuosität abstrakt und lassen die Nahtod-Erfahrungen Dantes eher als kollektives Schicksal spüren, aus dessen Mitte sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2018
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Freie Szene Nürnberg

«Zwischen Frankfurt und München ist Diaspora, da steigt kein Kritiker aus dem Zug»: Gegen dieses Image in Sachen Tanz kämpfen Michael Bader von der Nürnberger Tafelhalle, seit 1987 Heimstatt der freien Szene, und mit ihm ein knappes Dutzend Choreografen seit vielen Jahren an. Dabei ist die freie Tanztheaterszene für die 500 000 Einwohner zählende ehemalige...

Artenvielfalt

Es gibt Intendanten in allen Varianten. Allen gemein ist: Sie sind die letzten Feudalherren – und so regieren sie auch. Nicht alle. Wir wollen gerecht sein. Aber doch die meisten. Genau die wünschen wir in den Orkus. Denn sie lieben es, den Künstler zu demütigen, die Tänzerin zum Weinen zu bringen, sie herabzuwürdigen, süffisant und verächtlich. Wir dürfen...

Eisa Joscon «Princess»

Zwei Figuren wiegen sich in den Hüften, ihre Hände sind erhoben, die Finger gespreizt. Sie tragen sonnengelbe Röcke und Schnallenschuhe zum schwarzen Pagenkopf. Sie lächeln kokett, flirten mit den Zuschauern, tippeln federleichten Schritts auf sie zu und brechen plötzlich in kieksende Munterkeit aus. Mit ihren grazilen Gesten, ihrer demonstrativen Großäugigkeit und...