Abflug BER
Deutschlandweit sind die Zeichen auf Tanz gestellt, Ergebnis einer «kongenialen Zusammenarbeit aller Beteiligten», der Kulturstiftung des Bundes, der Länder und Städte. Alles jubelt über den Tanzplan Deutschland – wenn auch mitunter mit einer Miene wie auf einem Begräbnis. Warum nur?
Berlin muss, wie oft, eine Sonderstellung einnehmen. Im Gegensatz zu den anderen Auserwählten wird dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin ein Zuschuss aus dem Tanzplan zunächst nicht für die gesamte Laufzeit beschieden.
Mit einem Sockelbetrag von 260 000 Euro soll erstmal die Konzeptions- und Entwicklungsphase betrieben werden, bevor dann wieder evaluiert wird und bei positivem Votum auch die restliche Million fließen kann.
Nach all den Erfahrungen mit einem Senat und seinem Umgang mit zweckgebundenen Geldern und seiner Einhaltung finanzieller Zusagen erstaunt die Evaluierungswut in Sachen Zentrum Tanz Berlin. Man will in Sachen Tanz offenbar wieder glaubwürdig werden. Bereits in Vorbereitung der Bewerbung hatte sich viel getan, was jeder Kenner Berliner Kultur- und Wissenschaftspolitik bislang ins Reich der Fabeln verbannt hätte. Noch ohne Wissen um eine freundlich winkende Zuschussmillion ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wieso kommt ein kanadischer Choreograf nach Nürnberg, in die deutsche Stadt, in der man, wenn man kann, am behaglichsten lebt? Will er uns Dantes Purgatorium, will er das Fegefeuer zeigen? In der Spielzeughauptstadt, Lebkuchen- und Christkindlmetropole, der süffigsten Wein- und Bierschwemme Deutschlands? Für André Gingras, der mit seinem zierlichen Vollbart wirkt...
Draußen vor den großen Sichtfenstern fegt der Wind und weint der Himmel, drinnen im Project Space der Kunsthalle Wien ist es unheimlich warm. Aus Lautsprecherboxen quäkt Hitlers Stimme eine Hetzrede gegen das Judentum. Das Publikum schwitzt ein wenig, während der südafrikanische Performer Steven Cohen mit zwei phallischen Miniaturkameras seinen Körper untersucht....
«Er ist einmalig», meint der ehemalige Ballettmeister und Direktor der John Cranko-Schule, Alex Ursuliak: «Er hat einen Sprung – wie Juri Solowjew einst. Er hat Beine wie kein anderer, beinahe weiblich schön. Er hat einen unglaublich geschmeidigen Körper, noch ganz jung in seiner Form, und ein Gesicht mit dem gewissen Etwas, so wie man es von Vaslav Nijinsky kennt:...
