bonn: Rafaële Giovanola «The Parallax View»
Wer an den Zufall glaubt, lebt langweilig. Wie viel fantasievoller ist es, überall Zusammenhänge zu konstruieren, logische Verknüpfungen und Kausalitäten! Lieber Kalkül statt Schicksal. Zu den kreativsten Konstruktivisten zählen die Verschwörungstheoretiker. Was andere unhinterfragt hinnehmen, wird ihnen zum geheimnisvollen Komplott. Strichcodes in den Supermärkten? Kein Zweifel, dass sie der Überwachung der Kunden dienen. Und besonders schön: die «Bielefeld-Verschwörung», derzufolge die Stadt Bielefeld überhaupt nicht existiert. Wunderbar inspirierende Hirngespins-te gibt es.
Die Bonner Gruppe Cocoondance hat sich da auf vergleichsweise Fades konzentriert: Sie widmet sich in ihrem neuen Stück «The Parallax View» lieber der ganz alltäglichen Paranoia: Eifersucht. Die Unsicherheit, ob man gemocht wird oder der Außenseiter ist. Der Kampf mit den inneren Dämonen nach dem Motto: Sind wir nicht alle ein bisschen gaga?
Ein Mann betritt den Raum, alles verstummt – wie verdächtig. Eine Frau rennt und rennt, panisch dreht sie sich um. Der Zuschauer kann keinen Verfolger erkennen, sie offenbar schon. Ein weißes, fahrbares Zelt auf der Bühne zeigt von den Menschen im Inneren nur Schemen – ...
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