Nacho Duato
Seine zwei neuen Stücke orgeln gewaltig. In «O Domina Nostra» zuckt katholische Passionspracht durch die Finger des polnischen Komponisten Henryk Górecki; in «Cobalto» zanken sich ein komponierender Philosoph, Pedro Alcalde, und ein richtiger Barceloneser Avantgardist aus dem Stall von Marcel.lí Antúnez, Sergio Caballero, um sämtliche Register und Pfeifen der Orgel. Akustisch kracht es enorm beim spanischen Choreografen Nacho (eigentlich: Ignatius) Duato.
Dabei liebt der spanische Meister des zeitgenössischen Balletts mehr das passionierte Erbe des Katholizismus, das hochpreisende Loblied auf die ewige Dialektik zwischen Leiden und Leidenschaft. Tänzerisch sieht man: Kramwumm und lauter erregte Gesten. Aber nie Kitsch, obwohl in «O Domina Nostra» ein gewaltiges Kreuz wie Makramee geflochten im Raum hängt, links eine Gruppe von Männern im Lendenschurz, die Köpfe wie Christus gesenkt, und rechts Ana Tereza Gonzaga in herrlichem Gewand, die noch und nöcher Passionsgesten exekutiert und die Arme flehend, betend, zitternd hebt. Derweil sammeln sich die Männer in Rugby-Formation, kehren ihre straffen Bäuche nach oben, einer wird wie ein Leichnam getragen. Aber nie denkt man: ...
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