Real Barbie Ballerina

Thomas Hahn über Gisèle Vienne, ihren Puppenvater Hans Bellmer, heutige Real Dolls und die unverwüstliche Barbie

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Warum verstümmeln kleine Mädchen ihre Barbie-Puppen? Da sind sie neun, zehn oder elf Jahre jung und enthaupten ihre einstigen Lieblinge. Oder bringen sie in der Mikrowelle zum Schmelzen. Innige Zuneigung verwandelt sich in Grausamkeit, wohl gerade, weil die Mädchen zu spüren beginnen, was die Gesellschaft von ihnen erwartet: dass sie selbst zu Barbie-Puppen werden sollen. Die Ent–decker des Phänomens, britische Forscher der Universität Bath, deuten die Exzesse ganz pragmatisch als fantasievolle Art, sich von der Kindheit abzuwenden, einen Schlusspunkt zu setzen.

Nur die Jungs schaffen es nicht, sich von ihren Ken-Puppen zu lösen. Es sei also konsequent, wenn erwachsene Männer sich in wachsender Zahl entscheiden, ihr Leben mit einer Real Doll zu verbringen. Diese Sexpuppe stammt aus Kalifornien, wo ein gewisser Matt McMullen in seiner Garage eine hyperrealistische Nachbildung einer Traumfrau aus Silikon bastelte. Für 8000 Dollar kann sich vor ihr aufblasen, wem es vor einer «organischen» Frau nicht gelingt. Aber die Real Doll ist mehr als nur ein simples Sexspielzeug. Sie ist der Spiegel des Narziss. Sie wird zur «Lebensgefährtin» und gewährt dem affektiv frus­trierten Einzelgänger ...

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Tanz November 2006
Rubrik: Tanzkunst, Seite 60
von Thomas Hahn

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