Exhumierte Exotik
Historisch informierte Inszenierungen von Ballettklassikern erfreuen sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Mithilfe historischer Dokumente und Archivmaterialien wird dabei der Versuch einer größtmöglichen Annäherung an das Original unternommen. Entsprechend profilierte Aufführungen von «Le Corsaire», «Paquita» oder «La Bayadère» – um nur einige Beispiele zu nennen – geraten derzeit allerdings auf doppelte (und paradoxe) Weise ins Visier.
Auf der einen Seite beinhalten sie exotische, nationale oder folkloristische Elemente und sehen sich der Forderung aus Kritik und Kulturwissenschaft ausgesetzt, fremde und deshalb kolonialismusverdächtige Narrative zu entschleiern. Auf der anderen Seite unterstreicht jede dieser kinästhetisch opulenten Re-Konstruktionen, welche Bedeutung die Tanzvergangenheit besitzt. Wie also verhalten sich die Appelle postkolonialer Theorie und die derzeitige Aufwertung tanztheatraler Archäologie zueinander?
Das Diskursgespenst: Fremdheit aus postkolonialer Perspektive
Der Tanz im 19. Jahrhundert ist durchzogen von Komponenten der Fremdheit – einer Fremdheit, die der Widerschein europäischer Kolonialisierungen auf dem Theater ist. Die mit Nachdruck ...
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Tanz Juni 2019
Rubrik: Ideen, Seite 50
von Claudia Jeschke
Ihn faszinierte alles, was mit Tanz zu tun hatte. Während seiner Zeit am Bauhaus setzte sich der Maler Paul Klee intensiv mit bewegten Formen, Schwerkraft und Dynamik auseinander. Auch die Begegnung mit Tänzerinnen wie Gret Palucca und Josephine Baker hinterließen Spuren in seinem umfangreichen Werk. In stilisierten Formen und einfachen Linien hat Klee die...
CD des Monats: Terpsichore
Keine der großen Barock-Ballerinen ließ sich die Musik von Jean-Féry -Rebel entgehen. Aber es waren auch wahre Kleinodien, die er Françoise Prévost, Marie Sallé und Marie-Anne -Cupis de Camargo gleichsam zu Füßen legte: oft nur von sekundenlanger Dauer wie beispielsweise das Grave in der Tanz-Sinfonie «La Terpsi-chore» aus dem Jahr 1720,...
Ben J. Riepe erhält die «Tabori Auszeichnung 2019». Seine Düsseldorfer Kompanie wird geehrt «für ihre choreografischen Umstürze und Aufbrüche auf Bühnen, in Museen und Straßen, durch die sie sich eine herausragende Position im Tanz erarbeitet hat.» Das stimmt, und Riepe wird am 9. Juni mit seinem jüngsten Stück «Medo/Angst» beim Kölner «Sommerblut Festival» erneut...
