Aterballetto: «InCanto dall’ Orlando Furioso»
Das Stück von Mauro Bigonzetti entstand ursprünglich für den mehrteiligen Abend «Canto». Es wuchs mit der Zeit und wurde, mit dem Vorsatz «In», zu einem eigenständigen Werk. «InCanto» bedeutet eigentlich Charme, wobei die Vorsilbe im Italienischen auch nahelegt, dass hier nicht gesungen wird. Stattdessen geht es um die Verzauberung, um das «enchantment» (wörtlich: das Einsingen) von Orlando.
Orlando war einer der zwölf Gefolgsleute Karls des Großen bei seinem Kreuzzug gegen die Sarazenen.
Ludovico Ariosto (1474-1533) besang ihn in «Orlando furioso» als einen «Verrückten». Nach diesem Ariost ist auch ein schönes Theater in seiner Geburtsstadt Reggio Emilia benannt, dem Sitz der nun genau dreißig Jahre alten Kompanie Aterballetto.
Es war noblesse oblige, dass Bigonzetti dem Dichter ein ganzes Ballett zu widmen scheint. «Orlando furioso» folgt dem unvollendeten Werk «Orlando innamorato» eines anderen italienischen Dichters, Matteo Maria Boiardo. Bei ihm verliert Orlando seinen Verstand und muss zum Mond reisen, um ihn wiederzufinden. Bei Bigonzetti fehlen allerdings sämtliche der schönen Details, die Mondreise, die Begegnung mit dem Monster Hippogriff oder die Liebe der christlichen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
John Neumeier, Sie sind der Choreograf, der sich am längsten und intensivsten mit dem Werk von Vaslav Nijinsky befasst hat. Sie haben sogar die größte Nijinsky-Kollektion aufgebaut. Warum eigentlich?
Eine Antwort auf die Frage nach dem Warum würde bedeuten, dass ich das absichtlich gemacht habe. Es ist auch nicht so, dass ich eines Tages die Ambition hatte, die...
Ein Event ist «X-Event 2.6» gerade nicht. Vielmehr sind Annie Vigier, Frank Apertet und Co. im urbanen Raum gelandet wie vom anderen Stern. Sichtbar fremd. Leicht zu erkennen an ihren postmodern abstrahierten Mickey-Mouse-T-Shirts, erscheinen die Performer gratis und draußen als sanfte Irritation im und um den Bétonsalon, einen neuen Ort für zeitgenössische Kunst...
Als Martha Graham 1991 im Alter von 95 Jahren starb, hinterließ sie nicht nur ein umfangreiches choreografisches Werk, sondern auch eine klassische «Modern Dance»-Technik mit Wiedererkennungswert. Ihren verhakten, scharf akzentuierten, «schweren», das heißt, die Gravitation nicht leugnenden Tanz, hat die Ikone des amerikanischen Tanzes in ihrer 60-jährigen Karriere...
