forschung: das drama des prekären...
...heißt eine Dissertation, die mal nicht darüber meckert, dass «Prekariat» jene Klasse von Tänzern bezeichnet, die zu wenig Geld für ihre Arbeit an sich selbst erhält. Jochen Roller hat das ja mal wunderbar thematisiert, ihm wird ein ganzes Kapitel gewidmet. Aber Katharina Pewny erweitert den Begriff, übersetzt ihn wörtlich mit «ungesichert», «verletzlich». So wird’s allgemeiner. Die Lage des Menschen ist nicht kontrollierbar – da ist sie bei Meg Stuart. Natürlich ist der Körper selbst «prekär» – trotz Airbag und Sicherheitsgurt versichert ihn nichts.
Auch Grenzüberschreitungen sind «prekär». Verletzt man Grenzen, wird man selbst verletzlicher, etwa wenn der Kunstchoreograf Tino Sehgal aus dem Tanz ausschert. Nicht nur Sparten-, auch Landesgrenzen zu überschreiten: alles verletzt. Kollektive: sind Verletzer der Theaterhierarchie. Es ist wie so oft: Man muss nur lange genug auf einen Begriff starren, schon ist alles «unsicher», alles prekär, das Prekariat selbst wird zum Weltthema. Ein Wunder, dass Pewny dafür nur 300 Seiten bemüht hat.
Katharina Pewny, «Das Drama des Prekären. Über die Wiederkehr der Ethik in Theater und Performance», transcript, Bielefeld 2011
transcript-verlag.de
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Tanz Juni 2011
Rubrik: medien, Seite 57
von Arnd Wesemann
Einschalten, ausschalten. Mit der Musik verfährt man so. Warum nicht auch mit Tanz? Vanilton Lakka trägt die Symbole der Tasten «Stop», «Play» und «Pause» auf seinem roten T-Shirt. Er lässt das Publikum wie um einen Boxring sitzen und von vier Seiten zuschauen. «O corpo é a mídia da dança? Outras partes» wird in kurzen Runden ausgefochten. Das erlaubt den drei...
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