seine-saint-denis: rencontres chorégraphiques

Tanz - Logo

Wörter, Gesten, Punk. Der US-Amerikaner Daniel Linehan hat kein Problem damit, diese höllisch-himmlische Trinität zu einem hypnotischen Strudel zu verdichten. Mit seinem neuen Stück «Zombie Aporia» präsentiert er einen weiblichen und zwei männliche Zombies, die sich in eine Art Trance schaukeln, angetrieben von den Sex Pistols, von Gedichten und den Bewegungen, Gesten und Ausrufen der Zuschauer eines Rockkonzerts. Zombies, weil sie
alles von einem Bildschirm übernehmen. Sie kopieren, fragmentieren und mischen, um alles zu verzerren, zu beschleunigen, unkenntlich zu machen.

Zombies, weil sie agieren, ohne zu empfinden, während der Körper sich erhitzt. Linehan trägt ihn immer weiter in Richtung einer medialen Transzendenz. ­Weitere Persönlichkeiten der «Rencontres Chorégraphiques de Seine-Saint-Denis» sind Nigel Charnock mit seinem Solo «One Dixon Road», das ihn federleicht von Punk zu Mary Poppins trägt, die Finnin Anna-Maija Terävä mit ihren 49 Schreien zwischen Sport und Clown in «On Ice», das ihr Maija Hirvanen choreografiert hat, oder Adam Linder, der in «Early Ripen Early Rot» inneres und äußeres Chaos zelebriert. Das Starke lebt wieder auf.

rencontreschoregraphiques.com

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2011
Rubrik: kalender highlights, Seite 34
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
halleluja

Schräg bohrt sich das Licht durch die dunkle Bühne und gibt den Blick frei auf eine Gruppe von fünf Männern, die rhythmisch ihren Oberkörper vor- und zurückbeugen. Tranceartig tanzen sie ihr Gebet so, wie sie es jeden Tag in der Synagoge tun, voll Hingabe und mit geschlossenen Augen einen heiligen Text murmelnd. Der Unterschied zwischen einem Gebet und seiner...

christopher wheeldon

Generalprobe hin oder her: Dieser Choreograf bleibt nicht hinterm Regiepult. Während auf der Bühne des Badischen Staatstheaters zwei Ballerinen im Eifersuchtsclinch liegen, wirbelt Christopher Wheeldon durchs Parkett. Jagt nach Fehlern, scannt blitzschnell die Dekoration von «Variations Sérieuses» – und bleibt im Ton vornehm zurückhaltend. Well educated, wie es...

malakhov: gewinnt...

...laut eines leicht dubiosen Vergleichs der Zeitung «Junge Welt» in puncto Werbung, und zwar gegen John Neumeier, dem das Blatt jüngst eine zu große «Nähe zum Kapitalismus» vorwarf, weil er die Werbeagentur Scholz & Friends für ein paar Plakatmotive beauftragt hat, während das Guerilla-Marketing in Berlin, ein lustiger Flashmob im Hauptbahnhof, auch bei den Linken...