big bang boléro
Erfolg und Ruhm sind unberechenbare Gesellen. Oft stellen sie sich völlig überraschend ein, manchmal fast schon unerwünscht. Heiner Müller machte diese Erfahrung und äußerte seinen Frust darüber, dass ausgerechnet das von ihm gar nicht geliebte «Quartett» sein erfolgreichs-tes Stück wurde.
Noch gefährlicher leben Komponisten, werden sie doch zu leicht auf einen Ohrwurm reduziert – Wolfgang Amadeus Mozart auf die Gassenhauer aus der «Zauberflöte», Ludwig van Beethoven auf eine Handvoll Götterfunken, Georges Bizet auf «Carmen» und Nikolai Rimski-Korsakow auf ein paar Minuten «Hummelflug». So geht es allen, die nicht für einen Bruch in der Kunstgeschichte und damit für einen Stil stehen, sondern einfach für Exzellenz.
Am schlimmsten traf es Maurice Ravel mit seinem «Boléro». Der schnelle Erfolg des simpel konstruierten Werks ließ Ravel fürchten, dass sich allerlei Amateurorchester darauf stürzen würden. Womit er goldrichtig lag. Ein einziges Motiv, unablässig wiederholt und immer intensiver orchestriert, daran versucht sich jedes Feierabendorchester. Ravel selbst erklärte, der Aufbau wäre für jeden Studenten am Konservatorium machbar gewesen. Im Minutentakt erklingt das Werk heute, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Und wenn alle Angst haben und niemand es will, ist’s auch egal. Wir müssen das Thema angehen», sagten Héla Fattoumi und Éric Lamoureux 2009. Es geht um den islamischen Schleier. Die Angst war groß, dass das Thema abschrecken würde. Doch das Solo unter dem Nikab tourt, Hasskundgebungen blieben aus. Weil ein getanztes Pamphlet nicht auf Flugblätter passt? Wie...
Wer kennt nicht «Schwanensee»? Auch wer das Ballett noch nie gesehen hat, verbindet mit dem Titel etwas: klassischen Tanz in Reinform, eine Metapher für Ballett an sich, ein Märchen für Kinder (auch wenn im Libretto gleich mehrere Märchen verarbeitet sind). Und jetzt gibt es «Schwanensee» als erotisches Bilderbuch: Astrid Martini hat die Geschichte vom Prinzen...
Vor 25 Jahren entrümpelten Amie Swanson, Fabrice Dugied und Freunde eine alte Manufaktur auf den Hügeln des Pariser Arbeiterviertels Belleville. Gerade feierten sie drei Tage lang das Jubiläum, mit Koffi Kôkô, Daniel Larrieu und anderen. Damit dem Traum nicht die (finanzielle) Luft ausgeht, üben sie jetzt das Networking. Mitten in Paris schufen sie zusammen mit...
