Seit sie

Wie der griechische Choreograf Dimitris Papaioannou dem Tanztheater Wuppertal das Käsemachen beibringen durfte

Tanz - Logo

Stellen Sie sich vor, Sie hätten Ihr Leben lang Schinken hergestellt, einen sehr berühmten, sehr durchwachsenen, luftgetrockneten Schinken, der mittels einer ganz bestimmten Pökelprozedur zu delikater Reife gelangt. Sie wissen aber auch, dass diese besonders delikate Art nicht mehr produziert werden kann, weil es an frischem Fleisch mangelt. Da kommt auf einmal einer und sagt: Dann machen wir eben Käse. Der Käser heißt Dimitris Papaioannou. Er ist Grieche und in der Lage, ebenso eigensinnige Würzmischungen herzustellen.

Da Fleisch eh gerade nicht besonders en vogue ist, freut man sich, dass sein Käse zumindest im Geschmack noch an Fleisch erinnert. Denn Papaioannou macht einen feinwürzigen, nicht ganz so berühmten, aber sehr reifen Käse mit intensiver Note. Man könnte auch denken, wenn man es nicht besser wüsste, es sei Fleischkäse.

Wer nun sein Leben damit verbracht hat, wenigstens einmal im Jahr ein Werk von Pina Bausch zu goutieren, hat sich neun Jahre nach dem Verlust des Originals zwar ein Stück weit mit dem Schicksal abgefunden, ist aber nun – den stehenden Ovationen bei der Premiere in Wuppertal nach zu urteilen – sogar dankbar, dass zwischen Schinken und Käse eine gewisse ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2018
Rubrik: Produktionen, Seite 13
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Hagen: Alfonso Palencia «Cinderella»

Du meine Güte, wie konnte das bloß passieren? Wie konnte der Herr Papa bloß an diese neue Gattin geraten? Riesengroß, schwarz, mit muskulösen Beinen unterm gerüschten Minirock und launisch wie das Aprilwetter – eine Sekunde zärtlich, die nächste brutal. Cinderellas Stiefmutter ist eine kerlige Carmen. Genauer: Sie ist ein Kerl. Der größte Tänzer der Kompanie, der...

Arbeitskapital Körper

Seit Jahren ist eine Zunahme der physischen und psychischen Belastungen im professionellen Bühnentanz zu beobachten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Beispielhaft zu nennen sind eine Verdichtung des Arbeitspensums durch den Abbau von Stellen und das Damoklesschwert der auf ein Jahr befristeten, also immer wieder verlängerungsbedürftigen Arbeitsverträge. Stadt- und...

Newcomer, Abschied, Snippets 6/18

Newcomer: Agata Siniarska

Eine gute Schauspielerin kann auf Kommando weinen und echte Tränen vergießen. Man sagt diesem Beruf deshalb nach, er würde die Echtheit der Gefühle ruinieren. Auch das Klageweib ist ein Beruf, zumal in Afrika. Dort weiß jeder, dass Weinen und Schluchzen, mit viel körperlicher Übung erzeugt, ansteckend wirkt. Es bedarf dazu nur einiger...