cinderella
Uralter Hut, diese Geschichte: Halbwaise fällt der Wiederheirat des Vaters zum Opfer, fristet als Küchenkraft ihr Dasein und sehnt sich nach prinzlicher Erlösung.
In jeder Märchen-Fibel ist das «Aschenputtel» vertreten, und ob dabei die handfeste Fassung der Gebrüder Grimm oder Charles Perraults eleganter schraffierte Version zum Zuge kommt, ist am Ende egal: Die böse Stiefmutter zieht (samt töchterlichem Anhang) auf jeden Fall den Kürzeren, während das reine Herz an der Seite eines blaublütigen Galans triumphiert, der keine Mühen gescheut hat, um das passende Füßchen fürs verlorene Schühchen zu finden.
Wen soll diese Schmonzette noch interessieren? Welche einigermaßen lebenskluge Frau, welcher halbwegs zurechnungsfähige Mann wird sich mit diesem Yellow-Press-Stoff abgeben wollen? In Amsterdam, wo Christopher Wheeldon Ende 2012 mit Het Nationale Ballet jene «Cinderella» aus der Taufe hob, die das San Francisco Ballet nun über den Atlantik holt, hat das Publikum eine einmütige Antwort gegeben. Stehende Ovationen, als wäre so etwas noch nie dagewesen: ein historisch verbrämtes und doch ganz heutiges Aschenputtel; eine Inszenierung, die auf Schwarzweißmalerei verzichtet und ...
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Tanz Mai 2013
Rubrik: produktionen, Seite 24
von Dorion Weickmann
Eines Tages betrat die Wiener Balletttänzerin Susanne Kirnbauer ein Fachgeschäft, um Spitzenschuhe zu erwerben. Die Verkäuferin sah sie erstaunt an: in Ihrem Alter? Kurz davor war die Choreografin Doris Uhlich in demselben Laden gewesen. Auch sie kaufte Spitzenschuhe, auch sie erntete einen ungläubigen Blick: mit Ihrer Statur?
Diese Anekdote ist mehr als fünf Jahre...
José Limón braucht mit «The Moor’s Pavane» gerade mal 20 Minuten, um eine ganze Tragödie aufzuzeigen. John Neumeier lässt seinem «Othello» immerhin zweieinhalb Stunden Zeit, die Pause eingerechnet, damit er Fuß fassen, besser gesagt: damit er straucheln kann. Kevin O’Day macht es am Mannheimer Nationaltheater etwas kürzer.
Nach «Hamlet» (2008 in Stuttgart) und...
Ist «Sacre» wirklich das Skandalballett des letzten Jahrhunderts? Béla Bartóks «Der wunderbare Mandarin» von 1924 war da doch deutlich sicherer im Milieu als Strawinsky. Böse Buben rauben mit Hilfe einer Nutte geile Freier aus – bis ein gewisser Mandarin auftaucht, der das Mädchen auch dann noch begehrt, als die Banditen ihn erstochen haben. Seine ewige...
