Jenseits
Draußen vor den großen Sichtfenstern fegt der Wind und weint der Himmel, drinnen im Project Space der Kunsthalle Wien ist es unheimlich warm. Aus Lautsprecherboxen quäkt Hitlers Stimme eine Hetzrede gegen das Judentum. Das Publikum schwitzt ein wenig, während der südafrikanische Performer Steven Cohen mit zwei phallischen Miniaturkameras seinen Körper untersucht. Äußerlich und innerlich. Sein Gaumenzapfen stößt wie ein Penis in Richtung Linse, die Öffnung an der Spitze seiner Eichel macht einen Plappermund, und aus dem Innern seines Rektums übertragen sich diffuse Schatten.
Ein Höhlengleichnis zu «Sieg Heil!»-Gebrüll aus der Pandora-Konserve.
Dancing Inside Out heißt die Tanzperformance des politisch engagierten, 1962 geborenen Künstlers, der Drag-Glamour mit politischen Affront-Signalen mischt. Geschichte ist ein giftiger Sud. Steven Cohen fischt Zeichen, Bilder, Memorabilien und tanzt darauf. Eine so glitterige wie schrottige Figur, deren Gasmaskenspiel der Genitalien (Verzeihung, Herr Herzmanovsky-Orlando!) spitz auf das NS-Dokumentationsgeschwitze verweist, das diverse TV-Stationen seit einiger Zeit umtreibt. Wider allmögliche Diskursblockaden setzt Cohen einen tragikomischen ...
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Wieso kommt ein kanadischer Choreograf nach Nürnberg, in die deutsche Stadt, in der man, wenn man kann, am behaglichsten lebt? Will er uns Dantes Purgatorium, will er das Fegefeuer zeigen? In der Spielzeughauptstadt, Lebkuchen- und Christkindlmetropole, der süffigsten Wein- und Bierschwemme Deutschlands? Für André Gingras, der mit seinem zierlichen Vollbart wirkt...
Wie viel Theater will Basel? Die Frage, Titel einer Podiumsdiskussion, ist nicht unberechtigt. Schließlich hat nach Recherchen der Neuen Zürcher Zeitung die Platzausnutzung aller Sparten in den ersten drei Monaten der laufenden Spielzeit «gesamthaft» nicht einmal fünfzig Prozent betragen, und das lässt vermuten, dass die Basler so viel Theater gar nicht wollen....
Mozart, der Geliebte, der Populäre – und der doch Fremde. So wie sich die aktive Musik-Auseinandersetzung heute meist auf sieben Opern, ein paar späte Sinfonien und Solokonzerte für Klavier, Geige und Klarinette beschränkt, Pianisten seine so vermeintlich leichten, dabei im schwerelos bedeutsamen Ausdruck so heiklen Sonaten eher meiden, so wenig scheint er auch die...
