Der selbstbewusste Tänzer
Um die Situation der Tänzer in Deuschland zu beschreiben, kann man ihnen getrost einen Spiegel aus Frankreich vorhalten. Aus der Ferne erkennt man sich vielleicht ein bisschen besser. Dort prophezeit, seit nun bald einem Jahrzehnt, die Choreografin Karine Saporta, dass Frankreichs Kulturbetrieb zusammenbrechen werde. Aber es passiert nicht. Die Fassade steht. Dass im Inneren die Termiten nagen, erzeugt zwar Hintergrundgeräusche, doch vom ultimativen Klopfterror scheint die Szene bislang weit entfernt. Trotz Finanzkrise.
Seitdem nehmen jedoch all die Vorboten der letzten Jahre konkretere Gestalt an. Was bedeutet es, dass immer mehr Soli zu sehen sind, dass Choreografen auf der Bühne Wutanfälle inszenieren und Gesten oft nur «gestammelt» werden? Dass niemand mehr weiß, wohin die Reise geht, stattdessen lauter Retrospektiven und Rückschauen die Bühnen überschwemmen? Dass man dauernd vom Erbe spricht, als wäre es das letzte einem noch zustehende Kapital? Karine Saporta, Frankreichs große Choreografin, erklärt gern, wie das Wirtschaftliche mit dem Künstlerischen zusammenhängt. Denn die Choreografen sind frustriert und leiden unter Liebesentzug. Sie fühlen sich vom öffentlichen ...
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